Fleet Foxes // Crack-Up

Fleet Foxes (Foto: Shawn Brackbill)

Fleet Foxes (Foto: Shawn Brackbill)

Weil Sänger Robin Pecknold nochmal die Schulbank drückte, lag seine Band Fleet Foxes eine Weile auf Eis. Mit ‚Crack-Up‘ veröffentlichen die Amerikaner nun ihr bisher ausgereiftestes Werk. Sechs Jahre sind vergangen, seit die Fleet Foxes ihr letztes Album veröffentlicht haben, und als sie im März endlich auf die Bildfläche zurückkehrten, konnte man nur mit den Ohren schlackern: Ihre epische Comeback-Single „Third of May/Ōdaigahara“ ist ein Statement von einem Song, neun Minuten lang, inklusive Klavier, Streicherquartett und zwölfseitiger Gitarre. „Es gibt auch einen Radio-Edit, der ist kürzer“, lacht Sänger Robin Pecknold. „Im Ernst: Wir waren so lange weg, dass wir den Fans gerne etwas mit Substanz geben wollten.“

Fleet Foxes Crack-Up CoverSchuld an der langen Auszeit der Band ist Pecknold selbst. Die Fleet Foxes waren gerade auf dem bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere angelangt, waren mit ihrem zweiten Album ‚Helplessness Blues‘ sogar für den Grammy nominiert, als Pecknold plötzlich das Bedürfnis spürte, sich für eine Weile aus dem Musikbusiness zurückziehen. „Ich wollte nicht bloß deshalb ein neues Album aufnehmen, weil die Leute es erwarten. Ich hatte Angst, dass es eine schlechte Platte werden könnte“, erklärt er. „Also beschloss ich, erst mal zur Uni zu gehen. Ich hatte mich seit meinem 14. Lebensjahr voll und ganz auf die Musik konzentriert und nie Zeit gehabt zu studieren. Ich wollte das einfach mal ausprobieren.“

Pecknold zog von Seattle nach New York, schrieb sich an der Columbia University ein und studierte Musiktheorie, Kunstgeschichte und Literatur. „Ich habe es genossen, mich in etwas völlig Neues zu stürzen“, sagt er. „Das ist der beste Weg, um als Mensch zu wachsen. Das ganze Umfeld tat mir auch total gut. So ein Campus ist wie eine Blase. Ich habe viel gelesen, viel nachgedacht.“ Die Musik kam trotzdem nicht zu kurz: Permanent nahm Pecknold neue Songs auf. Er schrieb den Soundtrack für ein Off-Broadway-Stück namens „Wyoming“, musizierte aber auch einfach bloß aus Spaß. Und irgendwann nahm schließlich auch das dritte Fleet-Foxes-Album Form an.

‚Crack-Up‘ heißt es und könnte ausgefeilter kaum sein. Sounds und Stile, die für die Band einzigartig sind, wollte Pecknold dieses Mal auf die Spitze treiben. So trifft Indie-Folk auf wunderbaren Harmonie-Gesang, dramatische Mandolinen, warme Gitarren und eingängige Melodien – bloß mit noch mehr Nuancen und tiefer durchdacht. So beginnt ‚Crack-Up‘ tatsächlich mit der gleichen Note, auf der ‚Helplessness Blues‘ endete. Der Titel des Albums ist übrigens einem autobiografischen Essay des amerikanischen Schriftstellers F. Scott Fitzgerald entliehen, in dem Pecknold große Inspiration fand. Er wurde 1936 veröffentlicht und gilt als Dokument von Fitzgeralds Lebenskrise, die schließlich zu seinem alkoholbedingten Tod führte. „Es geht darin um Depressionen, und Fitzgerald spricht von einem Bruch, der in ihm stattgefunden hat“, sagt Pecknold. „Einiges davon stand in Einklang damit, wie ich mich damals fühlte. Das war eine Phase in meinem Leben, die nun aber zum Glück vorbei ist. Für mich symbolisiert dieses Album das Licht am Ende eines Tunnels.“

 

Fleet Foxes – Crack-Up (Nonesuch/Warner) 2LP 7559793738 / CD 7559793733 // ab 16.06.2017 im Handel