Sting // The Last Ship

Sting The Last Ship CoverJemand wie Sting ist der perfekte Botschafter für Musik ohne Grenzen. Erst legte er mit seiner Band Police eine Weltkarriere hin, dann startete er solo durch. Ziemlich lässig pendelte er zwischen U- und E-Musik. Das brachte ihm im Laufe der Jahre 16 Grammys ein.

Die Klassik stand bei Gordon Matthew Thomas Sumner alias Sting in der jüngeren Vergangenheit ganz klar im Vordergrund. Für ,Songs From The Labyrinth’ nahm der einstige Police-Frontmann Werke des Komponisten John Dowland auf, mit der CD ,If On A Winter’s Night’ legte er den Schwerpunkt auf traditionelle Weihnachts- und Winterlieder, bei ,Symphonicities’ traf ein Sinfonieorchester mal auf Police-Klassiker von „Roxanne“ bis zu „Every Little Thing She Does Is Magic“, mal auf Stings Solohit „Englishman In New York“. Leicht hat es der 61-Jährige seinen Fans damit nicht immer gemacht. Nicht jeder konnte sich mit seinen Ausflügen in die Welt der Hochkultur anfreunden.

Doch jetzt dürfen alle Anhänger des Briten aufatmen: Zehn Jahre nach seiner Platte ,Sacred Love’ wagt sich der Musiker endlich wieder an Eigenkompositionen heran. Mit seinem Album ,The Last Ship beschwört er seine Kindheitserinnerungen herauf, er singt Lieder über Liebe, Familie, Gemeinschaftsgefühl und Vergänglichkeit. „Practical Arrangement“ verführt mit angenehm zurückhaltenden Mollklängen. Hier und da hört man ein Klavier oder Bläser, darüber legt sich Stings melancholischer Gesang. „August Winds“ ist in Pastelltönen gehalten, pure Wehmut schleicht sich mit dem Akkordeon ein.

© Universal Music

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Dieses Instrument setzt auch beim Titelsong „The Last Ship“ Akzente, der sich im Midtempo bewegt. Möwengeschrei bahnt sich bei „And Yet“ seinen Weg. Hier liegt der Energielevel deutlich höher, Gitarre plus Orgel schmuggeln rockige Passagen ein. „Dead Man’s Boots“ hat folkige Arrangements. Bei „What have gibt die Fiddle den Ton an, Jimmy Nail und The Wilson Family verstärken den Refrain. Für „So To Speak“ wiederum bittet der Superstar die bezaubernde Becky Unthank zum Duett.

So tastet sich Sting in verschiedene Richtungen vor. Trotzdem weiß er genau, was er tut. Seine Lieder liefern ihm die Basis für das Musical „The Last Ship“, das 2014 am Broadway uraufgeführt werden soll. Mit Hilfe des Regisseurs Joe Mantello nebst der Autoren Brian Yorkey und John Logan arbeitet der sechsfache Familienvater in diesem Bühnstück den Niedergang des Schiffbaus in der englischen Stadt Newcastle in den 80er Jahren auf. Ein ehrgeiziges Projekt. Aber: Dieser Künstler hat eh keine Scheu, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Schließlich träumte er schon als kleiner Junge davon, irgendwann so berühmt wie die inzwischen verstorbene Queen Mum zu werden. Als sie zu einer Schiffstaufe durch seine Straße fuhr und ihm zuwinkte, da wusste der Sohn eines Milchmanns: Er wollte Karriere machen – mit dem Ziel, eines Tages ganz oben zu stehen. Umso mehr freut es ihn heute sicherlich, dass er sich tatsächlich einen Platz im Pop-Olymp erkämpfen konnte.

Sting – The Last Ship (Cherrytree/A&M/Universal) LP 3744812 / Ltd. Del. Ed. 3744321 / CD 3744320 // ab 20.09.2013 im Handel