Lorde // Pure Heroine

Lorde Pure Heroine  Cover„Ich bin in meinem Leben bisher nicht so viel herumgekommen“, sagt die fast 17-jährige Ella, die in Neuseelands Hauptstadt Auckland geboren wurde und dort mit den Eltern und der 14-jährigen Schwester lebt, am liebsten mit den Freunden am Strand liegt, surft und gelegentlich mit dem Fischerboot des Vaters in See sticht. Man kann festhalten: Leben und Reiseverhalten ändern sich gerade ganz gewaltig.

Normal ist nämlich nicht, was da gerade mit Ella Yelich-O’Connor alias Lorde passiert. Dass sie sich mit ihrem Song „Royals“ an die Spitze der amerikanischen Single-Charts gesetzt hat, dass sie also die mächtigen Konkurrentinnen wie Miley Cyrus und Katy Perry abgehängt hat, das muss man erst mal fassen, oder nicht? „Nö, das ist für mich nicht so ein lebensverändernder Schock“, sagt Ella, die sich Lorde nennt, weil der aristokratische Künstlername „eleganter und dramatischer“ aussehe als ihr regulärer Name. „Natürlich habe ich nicht mit so einer wahnsinnigen Resonanz gerechnet, aber eben deshalb drehe ich jetzt auch nicht durch.“ Lordes Blitzerfolg ist – ähnlich wie der Siegeszug des bis dahin unbekannten Australiers Gotye vor zwei Jahren – auch eine Folge der modernen Technologie. „Ich lebe in einem der kleinsten und abgelegensten Ländern der Welt. Ohne das Internet würde ich immer noch in meiner Schule singen. Vor 20 Jahren hätte ich diese Möglichkeiten niemals gehabt, vor zehn auch noch nicht.“

Hauptberuflich ist Ella tatsächlich noch Schülerin, im nächsten Sommer erst wird sie ihren Abschluss an der Takapuna Grammar School in Auckland machen. „Meine Lehrer geben mir großzügig frei, wenn ich im Ausland bin, ich lerne dann meist im Flugzeug.“ Die Schule falle ihr sowieso nicht allzu schwer. Aber sind das nicht zwei komplett gegensätzliche Welten – Oberstufenschülerin und Popstar? „Glaub‘ mir, ich bin nicht plötzlich das heiße Eisen auf meiner Schule. Mich hat noch nie jemand nach einem Autogramm gefragt.“ Ein Leben wie das der von Miley Cyrus gespielten TV-Sängerin „Hannah Montana“, nur in echt. Und in cool.

Lordes Erfolg mit dem Debütalbum „Pure Heroine“ ist nicht Ergebnis von ausgeklügelten Strategien oder inszenierten Tabubrüchen, sondern der verdiente Lohn von wirklich starken Songs. Lorde, die nach einem Schulkonzert entdeckt und mit 13 unter Vetrag genommen wurde, unterfüttert ihre selbstverfassten Texte über die „alltäglichen Minidramen meines Lebens“ mit mittelschnellen Beats. Die Platte hat ein durchgängiges, gemäßigtes Tempo („Das war mir besonders wichtig.“) und eine angenehme Grundstimmung. Ellas großes musikalisches Vorbild ist James Blake. „Lange Zeit war Pop fast schon ein schmutziges Wort“, sagt sie. „Ich glaube, die meisten Leute in meinem Alter haben einen besseren Musikgeschmack als das, was wir in den Medien vorgesetzt bekommen. Wir werden unterschätzt.“

Dass Ella sich selbst Lorde, ihren Song „Royals“ und ihr Album „Pure Heroine“ (Reine Heldin) nennt, hat übrigens System. „Diese Begriffe sind alle total arrogant, und meine Musik ist manchmal frech und vorlaut. Das finde ich saulustig, denn in Wirklichkeit bin ich ein ziemlich zurückhaltender Mensch.“

(Universal) LP 3753985 / CD 3751900 // ab 25.10.2013 im Handel

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Lorde (Foto: Universal Music)