Nick Waterhouse // Holly

Nick Waterhouse Holly CoverZwei Jahre nach seinem Debüt greift der Gitarrist, Songschreiber und Sänger erneut tief in seine Schatzkiste aus Soul, R&B, Blues, Rock, Surf und Funk. Die Songs auf seinem neuen Album ‚Holly‘ wirken dabei auf spannende Weise aus der Zeit gefallen.

Verträumt sitzt die junge Frau im Gras, das glatte, braune, lange Haar weht leicht im Wind, der Blick ist dem Betrachter zugewandt, sie trägt ein weißes Spitzenblüschen. Ja, man schaut sich dieses Mädchen vorne auf der Platte gerne an. Doch wenn man Nick Waterhouse dann fragt, ob es sich bei ihr um „Holly“ handelt, jenes holde Wesen, dass er im gleichnamigen Lied (das zugleich Titelsong seines zweiten Albums ist) besingt, dann bekommt man nur eine vage Auskunft. „Ja, das ist Holly“, sagt Waterhouse, „und ich kann über sie verraten, dass sie nicht nur toll aussieht, sondern auch einen großartigen Charakter hat.“ Er schmunzelt. „Das Albumcover ist eine Art Hommage an all die anderen Cover hochgeschätzter Alben, die nur deshalb ein hübsches Mädchen vorne drauf haben, um sich besser zu verkaufen. Das mache ich natürlich nicht. Bei mir geht es um die inneren Werte.“

Bei Nick Waterhouse, dem 27 Jahre alten Retro-Soul-Musiker aus dem kalifornischen Surfmekka Huntington Beach („Ab und zu surfe ich auch.“) ist nie so ganz klar, wie er das meint, was er so sagt. Der Schelm sitzt ihm im Nacken. Aber klar ist: Die inneren Werte auf „Holly“, sie stimmen. Zwei Jahre nach seinem Debütalbum ‚Time’s all gone‘ greift der Gitarrist, Songschreiber und Sänger erneut tief hinein in seine Schatzkiste aus Soul, R&B, Blues, Rock, Surf und Funk. Die ‚Holly‘-Songs – deren Grundideen an den vielen Abenden in den Bars dieser Welt entstanden – wirken auf spannende Weise aus der Zeit gefallen, sie könnten problemlos in den 50ern oder 60ern aufgenommen worden sein, sein Buddy-Holly-Gedächtnisgesicht unterstreicht den Retro-Eindruck zusätzlich. „Ich liebe die Musik aus der alten Zeit, gerade auch jene, die hier an der Westküste entstanden ist. Aber ich lebe weder musikalisch noch anderweitig in der Vergangenheit.“

Ähnlich wie Mayer Hawthorne, Sharon Jones & The Dap-Kings oder einst Amy Winehouse schöpft Waterhouse, der sich in der Clublandschaft von LA nach vorn spielte, ein paar Singles veröffentlichte und im Netz schnell überschwänglich bejubelt wurde, seine Inspiration aus dem goldenen Soul-Zeitalter und klingt zugleich sehr individuell bis eigen. „Ich habe ursprünglich in einer Punk-Band begonnen“, erzählt er, „und wenn man meinen Liedern anmerkt, dass ich auch Rock’n’Roll liebe, dann freut mich das.“ Mit „It #3“ hat er jetzt gar ein Lied seiner Punkkumpels von Ty Segall aufgenommen, „ein exzellenter Song und ein Spaß für alle Beteiligten“, so Waterhouse. Das fetzige „This is a Game“ wiederum scheint mal eben schnell alle Einflüsse des Nick Waterhouse in drei Minuten zu vereinen, Saxophon inklusive. „Um Genres habe ich mich nie geschert“, gibt er wenig überraschend zu Protokoll. „jedes meiner Stücke kommt vom Herzen, und in meinem Herzen gibt es nur gute Musik.“

Nick Waterhouse – Holly (Innovative Leisure/Alive) LP 7402037 / CD 7402038 // ab 14.3.2014 im Handel