Ed Sheeran // X

Ed Sheeran X CoverWenn der ja selbst schon ziemlich berühmte Ed Sheeran von seinen Begegnungen mit noch etwas berühmteren Kollegen berichtet, dann hört sich das fast an, als erzähle ein Student, wen er denn heute in der Vorlesung getroffen habe. Beispiel: Die Grammy-Episode mit Pharrell Williams. „Ich saß eine Reihe vor ihm und dachte irgendwann, es könne nicht schaden, mich ihm mal vorzustellen. So lernten wir uns kennen.“

Keine wilde Sache, findet der 23-Jährige. Schließlich tourte er ja auch schon drei Monate lang mit seiner (wie er beteuert) platonischen Freundin Taylor Swift durch Nordamerika und ist mit Elton John befreundet. „Ich weiß auch nicht, Mann, mir machen diese berühmten Menschen keine Angst. Ich bin noch nie vor Ehrfurcht erstarrt. Wir machen alle denselben Job, wir sind Arbeitskollegen. Einen Song zu schreiben und zu produzieren, das ist harte, konzentrierte Arbeit. Auch ein Pharrell schüttelt ‚Happy‘ nicht aus dem Ärmel.“ Die zwei landeten dann tatsächlich bei Williams im Studio in Miami, man probiert so rum, überlegt dieses, verwirft jenes, „und plötzlich texte ich ein paar Zeilen, Pharrell macht einen Beat, und zwei Stunden später ist die Nummer fertig.“ „Sing“ heißt das Stück, und es präsentiert einen Ed Sheeran, wie man ihn noch nicht kannte: Funky, sexy, ein bisschen wie Justin Timberlake, im Text geht es um eine Party, die sich dank hübscher Mädchen und reichlich Alkohol sehr überdurchschnittlich unterhaltsam ist. „Von Anfang an war es mein Plan, mich stilistisch breiter aufzustellen. Ich mag HipHop und Soul sehr gern und höre zuhause ständig Musik von Leuten wie Antony Hamilton oder Nina Simone.“

Der Engländer, ohnehin ein intelligenter, sehr strukturierter und dazu enorm fleißiger Zeitgenosse, fuhr für sein zweites Album ‚X‘ eine klare Doppelstrategie. „Ich wollte ein paar echt schnelle Popsongs aufnehmen und mich ansonsten nicht zu weit weg bewegen vom ersten Album. Die Idee war also, die Hörer weder zu verunsichern noch zu langweilen.“ Wer Ed Sheeran also wegen seiner verträumten Gitarrenpopsongs „The A Team“ oder „Lego House“ schätzt, mit denen er Ende 2011 den großen Durchbruch schaffte, der bekommt zart-verträumte und akustische Liebeslieder wie „One“ (hier geht es noch einmal um die Ex-Freundin, die schon auf dem Debütalbum ‚+‘ thematisiert wurde) oder „Thinking Out Loud“ (hier geht es um die neue Freundin, die nicht Taylor Swift ist). Wer den Rotschopf lieber feurig möchte, der bekommt mit „Sing“ oder auch „Don’t“ Popsongs erster Güte. Die Deluxe Edition des Albums enthält vier Bonustracks, darunter die Soundtrack-Hits „I See Fire“ (aus dem zweiten „Hobbit“-Teil) und „All Of The Stars“ (aus „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“).

„Ich wollte immer Popstar sein“, erzählt Sheeran, „bloß mit meinen Mitteln und nach meinen eigenen Vorstellungen. Mit Taylor zu touren oder mit Pharrell zu arbeiten, das ist alles Teil meiner Strategie. Ich plane ziemlich langfristig. Ich weiß, was ich machen will, bis ich 30 werde. Danach ist noch alles offen.“

Ed Sheeran – X (Warner) 2LP 2564628587 / Deluxe Edition (inkl. 4 Bonus-Tracks) 2564628586 / CD 2564628590 // ab 20.06.2014 im Handel