Neil Young // A Letter Home

Neil Young A Letter Home CoverZu behaupten, Neil Young wäre immer für Überraschungen gut, ist pures Understatement. Der 68-Jährige macht schlicht, was er will und wozu er gerade Lust hat – selbst, wenn es noch so schräg ist.
Wie z.B. ein Album mit einem sogenannten „Voice-O-Graph“ aufzunehmen, der im Plattenladen von Jack White in Nashville/Tennessee steht. Mit einer Gesangskabine, die an eine altmodische Telefonzelle erinnert, und in der Neil nicht nur mit Harmonika und Gitarre agiert, sondern auch ein besonderes Ziel verfolgt: Eine Art Mixtape für seine Mutter aufzunehmen.

Natürlich angereichert mit persönlichen Nachrichten („Hey mom, it´s me“), skurrilen Anekdoten über das Dilemma der modernen Wettermänner, deren Vorhersagen immer ungenauer werden, bis hin zu Grüßen an „Daddy und die Familie, ich komme euch besuchen, wenn ich nicht mehr so busy bin.“ Aber vor allem mit einem Dutzend Cover-Songs aus den 50ern, 60ern, 70ern und 80ern, die zum einen den Soundtrack zu Youngs Jugend geliefert haben (Dylan, Phil Ochs, Everlys, Tim Hardin, Bert Jansch) oder ihn an gute alte Freunde (Willie Nelson, Gordon Lightfood, Bruce Springsteen) erinnern. Wobei das Ergebnis klingt, als würde es sich um eine historische Grammophon-Aufnahme handeln, inklusive Knistern und Rauschen. Was dem Ganzen einen eigenwilligen Charme verleiht. Sprich: Ein echter Young – und genau das, wofür ihn Millionen Rockfans lieben.

Neil Young – A Letter Home (Reprise/Warner) 11 LP/CD/DVD 9362493915 / CD 9362493999 // ab 23.05.2014 im Handel