Rise Against // The Black Market

Rise Against The Black Market  CoverBefürchtungen, sie könnten leiser oder blauäugiger geworden sein, sind fehl am Platze. Auf ihrem siebten Album ‚The Black Market‘ liefern die kritischen Köpfe aus Chicago wieder Abgeh-Punk voll nackter Wut und tiefer Melancholie mit Texten zwischen Politik und Selbstreflexion.

Der Erfolg ihres letzten Drehers ‚Endgame‘ (2011) hat sie kein bisschen verändert, Anhänger können aufatmen. Der Tonträger erreichte bei uns Platz eins der Charts, in den USA kam er auf Platz zwei. ‘The Black Market’ enthält Punkkracher wie „The Eco-Terrorist In Me“, Barrikaden-Stürmer à la „Bridges“ und die Ballade „People Live Here“. „Ich begann vor vielen Jahren, Songs zu schreiben, weil ich diese Gefühle loswerden musste“, beschreibt Tim McIlrath seine Motivation. „Ich musste den Schmerz und diese Ideen herausbringen, aber ich fühlte mich sehr allein. Keiner denkt wie ich, glaubte ich damals. Heute sehe ich, dass meine Worte einen Widerhall finden, einige lassen sie auf ihren Körper tätowieren. Die Fans sind begeistert, dass diese Texte existieren, sie verhelfen ihnen zum Leben. Und ich bin begeistert, weil ich merke, dass ich kein Außenseiter-Freak bin.“

Seit 2001 machen Rise Against gesellschaftskritische Punkrock-Platten, ihr ‚Revolutions per Minute‘ kam 2003 auf dem prestigeträchtigen Fat Wreck Label von NOFX-Frontmann Fat Mike heraus. Doch aller Anfang ist schwer, das musste auch das Quartett aus Illinois erfahren. „Damals spielten wir im gesamten Land meist vor tauben Ohren. Nur an der Westküste fanden wir Fans, die uns mochten“, erinnert sich Tim dankbar. Dazu erhielt die Band den Respekt von Genre-Größen wie Rancid, Bad Religion und Descendents, für die sie im Vorprogramm auftrat. Heute sind Rise Against so groß, dass sie ihre früheren Unterstützer als Anheizer ihrer Shows engagieren. „Niemals hatte ich geglaubt, dass wir größer würden als Thrice oder Thursday“, lacht McIlrath, „aber das ist tatsächlich passiert, heute füllen wir Arenen und headlinen Festivals.“

Nach all dem Trubel im Anschluss an ‚Endgame‘ gönnte sich die Band – komplettiert von Zach Blair (g), Brandon Barnes (d) und Joe Principe (b) – eine Auszeit. Tim verbrachte Zeit mit seiner Familie und reiste nach Indien und Vietnam. „Ich war aber auch solo unterwegs auf der Revival-Tour mit Chuck Ragan, Dave Hause und den anderen Jungs. Daneben habe ich Songs geschrieben und einfach mal die Seele baumeln lassen.“ Der Titel der neuen Songsammlung sei durchaus wörtlich zu nehmen, rät Tim, ‚The Black Market‘ handelt vom „Dasein als Künstler, Musiker, Maler oder Autor. Als Punk-Band sind unsere Ansichten teilweise dunkel, pessimistisch, ja vielleicht depressiv. Deshalb auch das Schwarz im Titel. Er soll ausdrücken, dass die Kunst letztlich wie auf einem Markt gehandelt wird.“ Neben Politik und Gesellschaftskritik schrieb Tim auch Texte über sich selbst und die Person, für die andere ihn halten. „Der Zug Rise Against raste die letzten Jahre so schnell durch die Gegend, dass ich mir nie Zeit genommen habe, aus dem Fenster zu schauen. Dieses Mal schon.“

Rise Against – The Black Market (Interscope/Universal) LP 3789742 / CD 3789741 // ab 11.7.2014 im Handel