Johnny Winter // Step Back

Johnny Winter Step Back CoverSchneeweiße Haare, papierfarbene Haut, und dazu noch Winter als Nachname – John Dawson Winter III war eine auffällige Person. Er wurde einer der letzten alten Bluesmänner und starb, wie viele andere Blueser vor ihm – auf Tour. Kurz zuvor hatte er sein letztes Album aufgenommen: ‚Step Back‘ enthält gitarrengefüllte Duette mit Promis wie Eric Clapton, Joe Bonamassa, Joe Perry, Billy Gibbons, Ben Harper, Dr. John und anderen.

Zusammen spielen sie populäre Blues-Klassiker wie etwa „Unchain My Heart“ (ein Hit für Ray Charles 1961), „Killing Floor“ (Howlin´ Wolf) oder den B.B. King-Evergreen „Sweet Sixteen“. Bei diesem Konzept verfolgte Johnny Winter einen Hintergedanken: „Das Album ist für Leute, die diese alte Musik nie gehört haben. Sie ist besser als alles, was sie heute zu hören bekommen.“

‚Step Back‘ ist die Fortsetzung seines Album ‚Roots‘ (2011), auf dem der Texaner populäre Blues-Songs mit Könnern wie Warren Haynes, Derek Trucks, Susan Tedeschi, Sonny Landreth oder seinem Bruder Edgar Winter feierte. Der feinfingrige Gitarrist wuchs als Schüler des Texas-Blues auf, nutzte Daumen-Pick-Up und Slide-Röhrchen, sein Spiel besaß einen satten Ton, eine aggressive Dynamik und mengenweise überraschender Tricks. So sagte ZZ Tops Billy Gibbons über ihn: „Wenn Du mit Johnny Winter spielst, ahnst du nie, was dich erwartet, aber du weißt, es wird etwas Gutes sein.“
Johnny und Edgar Winter – beide Menschen mit Albinismus – wuchsen in Beaumont auf, einer texanischen Industriestadt. Ihr Vater war Baumwollhändler. Er spielte Saxophon und Banjo, die Mutter griff in die Klaviertasten, beide unterstützten ihre Söhne bei ihren Musikerkarrieren. „Mit 15 machte ich meine erste Platte (‚School Day Blues‘), begann in Clubs zu spielen, fing an zu rauchen, zu trinken und hatte Sex – 15 war ein großes Jahr für mich“, berichtet Johnny in der Dokumentation „Down And Dirty“, die von Greg Oliver („Lemmy“) gedreht wurde. An Selbstbewusstsein hat es Johnny nie gemangelt, so überredete er im Alter von 17 den sanftmütigen B.B. King, ihn in einem schwarzen Bluesclub für einen Gastauftritt auf die Bühne zu lassen. „Er hatte mein Gitarrespiel gar nicht gehört“, wunderte sich Johnny, „aber am Ende bekam ich stehende Ovationen.“ Winter plagten nie Selbstzweifel, „ich war sicher, dass ich erfolgreich werden würde.“

Ein Artikel im „Rolling Stone“ machte den jungen Johnny Winter schließlich bekannt. „Einen Tag gastierten wir in Clubs vor 20 Leuten und zwei Monate später spielten wir Woodstock“, erinnert sein Bassist Tommy Shannon. Johnny Winter frönte dem Rock, ohne den Blues aus den Augen zu verlieren. Mit seinem Idol Muddy Waters nahm er in den 70ern vier legendäre Alben auf, von denen zwei mit einem Grammy prämiert wurden. Zum Ende seines Lebens wendete sich Winter verstärkt dem Blues zu, spielte Platten für verschiedene Labels ein, gastierte auf Festivals und ging auf Tournee. „Ich liebe das Gitarrespielen“, pflegte er zu sagen, „es ist das einzige, in dem ich echt gut bin.“

Johnny Winter – Step Back (NEO Megaforce/Sony) LP 02028621697 / CD 02028621696 // ab 05.09.2014 im Handel