U2 // Songs Of Innocence

U2 Songs Of Innocence CoverViele Alben der irischen Rockband U2 hatten eine ungewöhnliche Geburt. ‘Songs Of Innocence’, ihr 13. Studioalbum, hat zusätzlich eine polarisierende Verbreitung erlebt. Ungefragt war es über Nacht in den iTunes-Accounts von 500 Millionen Nutzern aufgetaucht. Ab dem 10. Oktober kann nun jeder selbst entscheiden, ob er sich das Album zulegen möchte. Eine Anschaffung, die sich nicht nur für Fans rentiert.

Fünfeinhalb Jahre nach ‘No Line On The Horizon’ und neun Monate nach der Veröffentlichung der Single “Invisible” legen Bono & Co. ihr neues Album ‘Songs Of Innocence’ vor. Betitelt nach William Blakes gleichnamigem Poem, weist das Album mit seinen fein gewebten Samples, Loops und diversen anderen elektronischen Gebinden eine Rückkehr zu den elektronischen Elementen auf, die U2 so erstmals in ihrem 1997 erschienenen Longplayer ‘Pop’ verwendeten. Die Rückschau auf die Neunziger ist gleichzeitig verbunden mit einer Wiederkehr massenkompatibler Stadionhymnen sowie einer bewussten Neuerfindung von ‘Achtung Baby’ und dem grandiosen Krach des Punkrocks.

Thematisch ist ‘Songs Of Innocence’ neben “home and family and relationships” eine quasi musikalisch-autobiografische Entwicklungsgeschichte von Bono, die mit dem Urknall-Song “The Miracle (Of Joey Ramone)” beginnt. Natürlich kann man dabei nicht erwarten, dass sich U2 wie The Ramones anhören. Die irische Supergroup zelebriert ihr enormes Soundpotenzial eben mit spiritueller Inbrunst. Majestätische Melodramatik, wie in “Song For Someone” oder “The Troubles” mit der schwedischen Gastvokalistin Lykke Li, wechselt sich mit zornigen Riffs ab, zu hören in “Cedarwood Road”. Durchdrungen von frenetisch klingenden Vocals und Gitarren ist “Raised By Wolves”, und mit einem knorrigen Post-Punk-Rhythmus explodiert der Track “Volcano”. Gigantische Musik und intime Sounds, das Basisgerüst von U2, gehen bei ‘Songs Of Innoncene’ in einer Mischung aus Nostalgie und Moderne auf.

Zu neuen Ufern aufzubrechen, ohne das Bewährte aufgeben zu wollen, ist ein schwieriger Spagat, den U2 mit souveräner Eleganz vollführen. Produziert und abgemischt von Danger Mouse (Gnarls Barkley), Paul Epworth und OneRepublic-Frontmann Ryan Tedder, klingen die Songideen – durchsetzt mit viel Hall – nach juvenilem Ungestüm und altersmilder Abgeklärtheit, die das U2-Pathos mit bewährten U2-Formaten zu füllen verstehen. The Edge bringt mit furiosen Gitarrenläufen “California (There Is No End To Love)” oder “Iris (Hold Me Close)” auf Touren und gemahnt damit an die große Zeit ihres unverwechselbaren “Signature Sounds”. Und von Bonos heftigem Falsett dominiert werden “Sleep Like A Baby Tonight” und das Joe Strummer gewidmete “This Is Where You Can Reach Me Now”. Kein Zweifel: In der Liste der Werke der irischen Rocker ist ‘Songs Of Innocence’ ein gelungener Wurf.

U2 – Songs Of Innocence (Island/Universal) 2LP (white vinyl) 4704888 / Ltd. Del. Ed. (2CD) 4704894 / CD 4704892 // ab 10.10.2014 im Handel