Pink Floyd // The Endless River

Pink Floyd The Endless River CoverEs ist die Musik-Sensation des Jahres: 20 Jahre nach ‚The Division Bell ‘ legen die großen Herren des Progrock ein neues Album namens ‚The Endless River‘ vor – eine späte Hommage an ihr verstorbenes Gründungsmitglied, Keyboarder Richard Wright.

Dessen Potenzial der Rest der Band zwischenzeitlich komplett ignorierte – obwohl der Multiinstrumentalist nicht nur zahlreiche Lead- und Backing-Vocals beisteuerte, sondern auch charakteristische Moog-Passagen. Ganz abgesehen davon, dass er für Kompositionen wie „The Great Gig In The Sky“, „Us And Them“, aber auch „Time“ verantwortlich zeichnete. Doch ein Disput mit Ex-Bassist Roger Waters während der Aufnahmen zu „The Wall“ sorgte für seinen Ausstieg beziehungsweise für ein Engagement als reiner Aushilfsmusiker, der die Gruppe primär auf Tour begleitete. Bis ihn Mason und Gilmour für das letzte gemeinsame Oeuvre ‚The Division Bell‘ rehabilitierten. „Rick war ein großartiger Musiker und ein wahnsinnig netter Kerl“, erinnert sich Andrew Jackson, seit 30 Jahren Haus- und Hoftechniker von Pink Floyd. „Vielleicht sogar ein bisschen zu nett, um neben Alphatieren wie Roger und David zu bestehen. Und er stand auch nie im Mittelpunkt, sondern immer am Rand. Weshalb man schnell meinen konnte, er wäre nicht ganz so wichtig. Aber das war ein Irrtum, wie sich 1993/94 zeigte. Denn was er damals im Studio wie auf der Bühne geleistet hat, war der Wahnsinn. Und ich denke, die anderen vermissen ihn sehr.“

Denn Rick Wright starb Ende 2008 an den Folgen einer Krebserkrankung, was dafür sorgte, dass sich Gilmour jenes Materials erinnerte, das lange unter dem Arbeitstitel „The Big Spliff“ kursierte: Ein Auszug aus diversen Jam-Sessions, die eigentlich als Bonus-CD zu ‚The Division Bell‘ veröffentlicht werden sollten. „Leider hatten wir wegen der anstehenden Tour damals keine Zeit, uns darum zu kümmern“, so Jackson. „Also wanderte das Ganze ins Archiv, bis David im Sommer 2012 fragte, ob wir daraus etwas anderes machen könnten. Es waren fast 20 Stunden Material.“

Für deren Bearbeitung neben Jackson noch Phil Manzanera (Roxy Music) und Youth (Killing Joke) engagiert wurden, die das Ganze zu vier Teilen à 15 Minuten sowie je vier oder fünf Suiten zusammenpuzzelten sowie diverse Effekte, zusätzliche Instrumente und eine Gesangspassage von Gilmour hinzufügten. Daraus resultiert nun „Louder Than Words“, der einzige konventionelle Song eines ansonsten lupenreinen und durchaus experimentellen Instrumental-Albums, das sich laut Jackson vor allem an eingefleischte Fans richten dürfte. „Es wird mit Sicherheit Leute geben, die damit überhaupt nichts anfangen können. Nur: Es sind die letzten Aufnahmen von Rick, und der Band war es wichtig, sein Schaffen ins rechte Licht zu rücken. Eben mit Tracks, auf denen er richtig glänzt.“

Womit das Kapitel Pink Floyd, so Jackson, dann auch endgültig beendet sei. Eine Tour werde es nicht geben, weitere Alben seien ebenfalls nicht geplant. Dafür bastle Gilmour gerade an einem Alleingang, der 2015 erscheinen soll. „Deshalb ist er etwas im Stress. Aber ich spreche gerne für ihn“, lacht der Techniker.

Pink Floyd – The Endless River (Warner) 2LP 2564621547 / CD+Blu-ray 2564621333 / CD+DVD 2564621334 / CD 2564621542 // ab 7.11.2014  im Handel