ZAZ // Paris

ZAZ Paris CoverIsabelle Geffroy alias ZAZ wollte sich nie wirklich von der Popmaschinerie vereinnahmen lassen. Da ist es nur konsequent, dass sie sich auf der Bühne stets unprätentiös gibt. Also stellt man sich auf ein Treffen mit dem netten Mädchen von nebenan ein und sitzt dann in einem feinen Berliner Hotel plötzlich einer Mittdreißigerin gegenüber, die erstaunlich damenhaft wirkt.

Und wer sich das Video zu ihrer Single „Paris Sera Toujours Paris“ anschaut, der erkennt beim besten Willen keine Frau, die früher mal ihr Geld als Straßensängerin in Montmartre verdient hat. Elegant präsentiert sie sich, eben typisch französisch. Erfindet sich die Sängerin jetzt komplett neu? Nein. Sie hat ihren Kleidungsstil lediglich dem Repertoire ihres Albums ‚Paris‘ angepasst.

Für dieses Werk ist sie unter der Regie von Quincy Jones und John Clayton mit einer Bigband in einige Klassiker ihrer Heimat eingetaucht, die alle ein gemeinsames Thema haben: Paris. Dieser Metropole, sagt ZAZ, habe sie unheimlich viel zu verdanken: „Ich habe dort den Grundstein für meine Karriere gelegt.“ Anfangs trat sie in einem Cabaret auf, später auf der Straße. Bis ein Plattenvertrag die Wende brachte. Ihre erste CD ‚Zaz‘ wurde vor allem dank des Hits „Je Veux“ ein internationaler Erfolg. Es war, als hätte die Welt bloß auf ihren musikalischen Mix aus Chanson, Pop, Jazz und Zigeunerklängen gewartet, dem sie selbstverständlich auch auf ‚Paris‘ die Treue hält. Mehr noch: Sie erweitert ihn um Swing, um Gospel, um slawische Elemente: „Dieser multikulturelle Aspekt ist mir extrem wichtig.“

Also bewegt sie sich temperamentvoll durch Evergreens wie „Champs Elysees“. Für „I Love Paris / J’aime Paris“ holt sie die Kanadierin Nikki Yanofsky als Duettpartnerin ins Boot. Beim nostalgischen „J’aime Paris au mois de Mai“ tut sie sich mit Charles Aznavour zusammen, der in ihr bereits die neue Edith Piaf sieht: „Das finde ich natürlich äußerst schmeichelhaft. Ich kann gar nicht fassen, wie viele tolle Komplimente mir dieser Mann schon gemacht hat.“ Klar ist sie stolz darauf, gemeinsam mit dieser Legende ein Lied aufgenommen zu haben.

Umso verblüffender, dass sie Françoise Hardy bei ihrer Platte außen vor gelassen hat. Schließlich gilt sie als Ikone der französischen Musikwelt: „Mir ging es überhaupt nicht darum, möglichst viele Stars zu versammeln.“ Deshalb lud sie für „La romance de Paris“ den Hardy-Sohn Thomas Dutronc ins Studio ein, nicht seine Mutter. Ihre Eigenkomposition „Dans mon Paris (Swing Manouche)“ wuppt sie wiederum ohne irgendwelche Gäste: „Dieses Stück beschreibt meinen ganz persönlichen Blick auf diese Stadt, die für mich herzlich wenig mit dem touristischen Paris rund um den Eiffelturm zu tun hat.“ ZAZ fühlt sich im 11. oder 20. Arrondissement wohler. Dort sitzt sie gerne in einem der kleinen Cafés, sie streift durch die Parks, stöbert auf den Märkten herum, manchmal besucht sie ein Künstleratelier: „Es gibt immer wieder etwas Spannendes zu entdecken.“

ZAZ – Paris (Parlophone/Warner) 2LP (ab 5.12.2014) 2564620059 / Collector’s Edition (CD+DVD) 2564621570 / CD 2564622337 // ab 7.11.2014 im Handel