AC/DC // Rock Or Bust

AC/DC Rock Or Bust CoverDer Hauptsongwriter leidet unter Demenz, der Drummer steht mit einem Fuß im Knast. Trotzdem machen die australischen Dauerbrenner unbeirrt weiter – mit dem 14. Studioalbum im 41. Jahr, das durch viel Vertrautes, aber auch witzige, kleine Überraschungen glänzt. Eben ‚Rock Or Bust‘.

Ein Treffen mit Angus Young hat etwas von einer Papst-Audienz. Man hat exakt 20 Minuten Zeit, bekommt im Vorfeld ein paar strenge Auflagen eingetrichtert (z.B. keine Fragen zu Phil Rudd) und ist dann von einem regelrechten Hofstaat umgeben, der vor allem einen verunsichert: Angus selbst. Denn das 59jährige kleine, bleiche Männchen mit der kahlen Kopfhaut und dem unverwechselbaren australisch-schottischen Akzent ist zunächst so zurückhaltend und vorsichtig wie selten. Was bei Themen wie bei der Demenzerkrankung seines älteren Bruders, Rhythmusgitarrist und Hauptsongwriter Malcolm Young, aber auch kein Wunder ist. Er befinde sich in einem Pflegeheim in der Nähe von Melbourne, habe sein Kurzzeitgedächtnis verloren und könne keine Musik mehr machen, gibt Angus zu Protokoll. Nur um im nächsten Moment von seinem Stand-in, Cousin Stevie Young, zu schwärmen. Ein 57jähriger, der Malcolm optisch, spielerisch und auch charakterlich gleichkomme und der Band frischen Wind verleihe, selbst wenn die Songs durchweg aus der Feder seines Vorgängers stammen. „Das Album basiert auf Ideen, die wir schon vor Jahren entwickelt und dann für einen späteren Einsatz archiviert haben. Also mussten wir sie nur noch ausarbeiten und arrangieren, wobei mir Stevie sehr geholfen hat.“

Das Ergebnis sind elf Stücke, die zwischen Powerrock und elektrifiziertem Blues pendeln, 100prozentig nach AC/DC klingen und so griffig und kompakt sind, dass sie letztlich gerade mal 35 Minuten dauern. Was ‚Rock Or Bust‘ zum bislang kürzesten AC/DC-Werk macht: „Es ist angelegt wie unsere Live-Konzerte. Eben boom, boom, boom – ein Kracher nach dem anderen, ohne Zeit zum Luftholen und garantiert ohne Lückenfüller“, so Angus. Wofür nicht zuletzt Texte sorgen, die durch einen gesunden Humor glänzen, mal von antiken Kriegshelden wie Hannibal, Bondgespielinnen wie Pussy Galore, klassischen Rennautos oder Regularien für den CO2-Ausstoß handeln. „Das sind Themen, die uns interessieren und die für gute Songs sorgen. Im Sinne von: Sie sind genau das, was die Leute von uns erwarten, aber gleichzeitig wieder nicht. Und mit diesem Ansatz wollen wir es auch in Zukunft halten – also die nächsten hundert Jahre.“ Eine charmante Drohung, die durchaus ernst gemeint ist. Ans Aufhören denken die Großmeister des Hardrock noch lange nicht. Eben weil außer Gitarrengott Angus und Reibeisenstimme Brian niemand unersetzlich ist, weil sie seit dem Comeback mit ‚Black Ice‘ (2008) auf einer gigantischen Erfolgswelle schwimmen, und die Deutschlandtournee im Frühjahr 2015 wieder alle Rekorde brechen dürfte. Das ist so sicher wie der nächste Banken-Skandal.

 AC/DC – Rock Or Bust (Columbia/Sony)LP+CD 88875034841 / CD 88875034862 // ab 28.11.2014 im Handel