Imagine Dragons // Smoke + Mirrors

Imagine Dragons Smoke + Mirrors CoverWas für ein eigenartiger Flecken Erde dieses Las Vegas doch ist: Neongrell und 24 Stunden am Tag geöffnet liegt es mitten in der Wüste. Ein Ort, der seine Künstlichkeit gar nicht erst zu kaschieren versucht. Man wird komplett verrückt, zumal man als Besucher meist nicht viel mehr kennenlernt als den „Strip“, eine Aneinanderreihung gigantischer und protziger Hotels und Casinos. Doch kaum fährt man mal ein paar Minuten Richtung Stadtrand, erkennt man Vegas kaum wieder. Kleinbürgerlich, familiär und ein bisschen heruntergekommen wirkt der Ort jenseits von Glitzer und Glamour, und fragt man die alle in Vegas lebenden Musiker von Imagine Dragons, dann ist das auch ganz gut so. „Wir mögen es lieber ruhig und gemütlich“, sagt Sänger Dan Reynolds (27). „Wenn wir auf Tour sind, spazieren wir lieber durch die Städte, als in den Bars und Clubs zu hängen. Und daheim gehen wir erst recht nicht aus.“

Ähnlich wie die Killers aber verbirgt das Quartett seine Herkunft auch nicht, aktuell liefern sie die Musik für eine Image-Kampagne der Stadt. Und ein wenig von der „Höher-Schneller-Weiter“-Mentalität ihres Heimatorts findet sich auch in der Musik des 2008 gegründeten Quartetts, das vom Debüt ‚Night Visions‘ gut zwei Millionen Stück verkauft hat. Speziell die Singles „It’s Time“ und „Radioactive“ brachen diverse Rekorde, und Reynolds wird immer noch ganz wuschig, wenn er an die vergangenen Jahre denkt. „Einmal sind wir in vier Tagen komplett um die Welt geflogen, um unterwegs überall aufzutreten, und anschließend in weiteren vier Tagen wieder zurück. In meinen Reisepass mussten sogar Extraseiten geheftet werden, weil er voll war.“ Die rege Reisetätigkeit blieb nicht folgenlos. Auf dem neuen Longplayer ‚Smoke + Mirrors‘ streut die Band nicht nur häufig kleine weltmusikalische Schnipsel (etwa in „Friction“) ein, die Songs selbst sind auch quer über den Globus verstreut zur Welt gekommen. „‘Friction‘ haben wir in Budapest geschrieben, nach einem Gulasch-Gelage. Der Titelsong entstand in Japan, während mein Kopf vor lauter neuen Eindrücken fast explodierte und daheim gerade meine kleine Tochter zur Welt gekommen war.“ Und das traurige „Dream“, in dessen Text Reynolds auch seinen lebenslangen Kampf mit Depressionen und Stimmungsschwankungen anspricht, schrieb der Sänger in Brasilien, „mitten in der Nacht, als mich das Heimweh fast fertig machte.“

Imagine Dragons klingen auf dem neuen Werk noch eine Nummer epischer, dramatischer und überwältigender als zuvor. Die Refrains von „I Bet my Life“ oder „I’m So Sorry“ sind zum Mitsingen entworfen. Räumt Reynolds gern ein: „Wir stellen uns bei jedem Song vor, ob und wie er auf einer großen Bühne funktioniert. Für mich ist dieses Album mit einem Haus vergleichbar. Jedes Zimmer, also jeder Song, ist komplett individuell eingerichtet, die stilistischen Unterschiede sind riesig, aber es gibt zwischen allen Zimmern auch Verbindungstüren.“ So hat man etwa den Pop-Anteil („Shots“, „Summer“) weiter ausgebaut. „Ja, den Begriff ‚Stadionrock‘ würde ich auch verwenden“, so Reynolds.

Am Abend spielt die Band ein Konzert vor 2000 Menschen im örtlichen Hard Rock Hotel, natürlich das Größte der Welt. Fulminanter geht es kaum.

Imagine Dragons – Smoke + Mirrors (Interscope/Universal) Ltd. Super Del. Ed. (2CD) 4718667 / Ltd. Del. Ed. 4717754 / CD 4716169 // ab 13.02.2015 im Handel