Steven Wilson // Hand.Cannot.Erase.

Steven Wilson Cover Hand Cannot EraseSchwerer Rock, sanfte Pianoballaden, funky Grooves: Steven Wilson gelingt ein Meisterwerk des Progressive Rock, über dem ein Hauch von Melancholie liegt, inspiriert von Leben und Tod der Joyce Carol Vincent.

Ein kleines Hündchen ist das einzige Hobby, das sich Steven Wilson gönnt. Ansonsten dreht sich das Leben des Junggesellen ausschließlich um Musik. Selbst sein Geburtsjahr 1967 betrachtet er unter musikalischen Gesichtspunkten. „In Bezug auf album-orientierte Rockmusik dürfte 1967 das wichtigste Jahr überhaupt sein“, sagt er ernst. „So viele wichtige Alben kamen in diesem Jahr heraus: die Beatles, Hendrix, Cream, Doors, Pink Floyd, Moody Blues, Procol Harum und viele andere erschufen wichtige Werke.“ Ab ´67 sei es nicht mehr um einzelne Songs gegangen, sondern um ganze Alben. „Liederzyklen mit wiederkehrenden Themen haben mir schon immer gefallen, alle Porcupine-Tree-Alben folgten dieser Idee“, sagt er. Zum Leidwesen aller Fans der Neo-Prog-Band liegt diese jedoch auf Eis – und da wird sie liegen bleiben. „Ich hatte nie vor, eine Band zu gründen“, stellt Wilson klar. „Mein erstes Album (‚On The Sunday Of Life‘, 1992) erschien unter dem Namen Porcupine Tree, doch das Material hatte ich allein eingespielt. Auch die zweite (‚Up The Downstair‘, 1993) und dritte Platte (‚The Sky Moves Sideways‘, 1995) waren im Prinzip Solo-Alben, freilich unter dem Bandnamen. Ab dem vierten Album (‚Signify‘, 1996) erwuchs daraus eine Gruppe. Ich arbeitete immer allein, für Porcupine Tree habe ich alle Lieder geschrieben, produziert und gemixt.“ Seit seinem 13. Lebensjahr macht der heute 47jährige Aufnahmen, da hat sich einiges angesammelt. Für www.voyage-pt.de hat sein Super-Fan Uwe Häberle in unfassbarer Kleinarbeit auf 500 Seiten eine komplette Diskografie (in der 9. Edition) zusammen getragen, die laufend ergänzt wird.

Für sein aktuelles Solo-Werk ‚Hand.Cannot.Erase.‘ ließ Wilson sich vom Dokumentarfilm „Dreams Of A Life“ inspirieren, der vom Leben und Tod der Joyce Carol Vincent handelt. „Eine junge attraktive Frau wurde tot in ihrem Apartment in London aufgefunden und hatte dort unentdeckt seit fast drei Jahren gelegen“, berichtet Steven. „Das sagt viel über das Leben in der Stadt im 21. Jahrhundert. Diese Frau gab mir die Idee für das Konzept und auch für das aufwändige Artwork der Special Edition, das sich mit ihrem Leben beschäftigt.“ Immerhin stirbt die Hauptperson in Wilsons neuem Werk nicht. „Die Story endet mit einem Fragezeichen.“ Dennoch liegt Melancholie wie ein Schatten auf Wilsons Album, sein Gesang ist einfühlsam, man spürt wie nahe ihm die Geschichte dieser „verlorenen Person“ gegangen ist. Daneben singt auch Ninette Tayeb einige Parts, deren äußerst lebhafte Stimme einen interessanten Kontrast bildet.

Wilson arbeitete mit nahezu der gleichen Besetzung wie auf dem letzten Album ‚The Raven That Refused To Sing‘ (2013), Marco Minnemann am Schlagzeug, Nick Beggs am Bass, Guthrie Govan an der Gitarre, Theo Travis an Flöte/Saxophon und Adam Holzman an den Keyboards. Im Vergleich zur letzten Scheibe ist das neue Album weniger jazzig ausgefallen. Stattdessen komponierte der sensible Songwriter dramatischen, schweren Progrock, der aber auch hektische Passagen, sanfte Pianoballaden, verträumte Teile und funky Grooves enthält. So entstand ein melancholisches Meisterwerk des Prog Rock, das sich neben den Klassikern seines Geburtsjahrs 1967 hören lassen kann.

Steven Wilson – Hand.Cannot.Erase. (Kscope/Edel) 2LP 1088751KSC / Blu-ray 1085237KSC / CD+DVD 1083152KSC / CD 1083167KSC // ab 27.02.2015 im Handel

Steven Wilson (C) Susana Moyaho

Steven Wilson (C) Susana Moyaho