James Bay // Chaos And The Calm

James Bay Chaos And The Calm CoverJames Bay ist ein ziemlich cooler Typ: Obwohl er an diesem Nachmittag sein erstes Deutschlandkonzert in der Bar eines Hamburger Hotels gibt, wirkt er überhaupt nicht nervös. Er hockt entspannt auf einem Sofa in seinem Zimmer, ganz in Schwarz gekleidet, natürlich mit Hut, der als sein Markzeichen gilt. Dabei besitzt er gar keine große Hutkollektion: „Ich habe nur zwei Modelle.“ Mode hat für ihn keine Priorität. Dem britischen Singer/Songwriter geht es in erster Linie um seine Musik, er will nicht über sein Äußeres definiert werden.

Obwohl er mit seinen hohen Wangenknochen, dem melancholischen Blick und den langen, dunklen Haaren aussieht wie der jüngere Bruder von Johnny Depp oder Jack White: „Klar ist das ein Kompliment. Aber ich freue mich mehr darüber, wenn sich jemand für meine Lieder interessiert.“

Für viele Stücke seines Debüts ,Chaos and the Calm‘ war die Beziehung mit seiner langjährigen Freundin die Initialzündung, doch darüber mag der 24-Jährige nicht weiter sprechen: „Ich möchte meine Partnerschaft auf jeden Fall aus der Öffentlichkeit raushalten.“ Lieber redet er darüber, wie sein Vater dem kleinen James an einem Samstagnachmittag daheim „Layla“ von Derek And The Dominos vorspielte: „Das großartige Riff hat mich so gekickt, dass ich als Junge unbedingt Gitarre lernen wollte.“ Also holte er das eingestaubte Instrument mit den zerrissenen Saiten aus der Abstellkammer, er ließ es wieder aufmöbeln und legte los. Weil ihn die Gitarrenstunden rasch langweilten, zog es das ungeduldige Kerlchen vor, sich alles im Alleingang beizubringen: „Ich habe mir zuhause eine Platte aufgelegt, um die Musiker dann zu begleiten.“ So entwickelte er bald seinen eigenen Stil: melodischer Indie-Pop, aufgeraut mit einer Prise Rock.

Später studierte er am Brighton Institute of Modern Music, einer seiner Kommilitonen war der Musiker Tom Odell, der ihm seinen ersten Gig verschaffte. Danach zog er in seinen Heimatort Hitchin zurück, wo er sich plötzlich wie ein Gefangener fühlte – daran lässt der Titel „Craving“ nicht den geringsten Zweifel: „Ich wusste, als Künstler würde ich mich nur etablieren können, wenn ich in bester Bruce-Springsteen-Manier meine Songs von der Provinz hinaus in die Welt tragen würde.“ Deshalb trat er bei einem Open-Mic-Abend in London auf, bei dem ihn ein Kameramann zufällig filmte. Der stellte das Video bei Youtube ein, was James Bay zu einem Plattenvertrag mit einem amerikanischen Label verhalf. Er nahm seine CD in Nashville auf, schnell avancierte er zum Kritikerliebling, bei den Brit Awards wurde er mit dem „Critics‘ Choice“-Preis ausgezeichnet. Der Designer Christopher Bailey buchte ihn für eine Burberry-Show, aus diesem Engagement entwickelte sich für ihn eine völlig neue Erfahrung: „Normalerweise bin ich ja bei einem Konzert die Hauptattraktion. In diesem Fall stand aber die Mode im Mittelpunkt, und ich war bloß schmückendes Beiwerk.“

James Bay – Chaos And The Calm (Universal) LP 4718497 / Deluxe Edition (CD inkl. Bonus-Tracks) 4718945 / CD 4724760 // ab 20.03.2015 im Handel