Marit Larsen // When The Morning Comes

Marit Larsen When The Morning Comes CoverFröhliche Lieder sind nichts für Marit Larsen. Die Norwegerin ist der Inbegriff der melancholischen Popmusik. Da überrascht es wenig, dass sie auch auf ihrem Album ‚When The Morning Comes‘ Isolation oder unerwiderte Liebe thematisiert. Kaum entweicht ihrer Kehle der erste Ton, glaubt man: Da singt ein trauriger Engel. Ein zartes Wesen, dem das Leben manchmal übel mitspielt, das aber keiner Fliege etwas zuleide tun kann. Hat Marit Larsen wirklich keine wilden Seiten? Sie lacht: „Natürlich bin ich nicht nur lieb und nett.“ Das kommt, findet sie, in einigen Songs ihrer neuen CD durchaus durch: „Meine Texte sind teilweise dunkler geworden.“

Zumindest klingt „Please Don’t Fall For Me“ wie eine Warnung an alle Männer. Nach dem Motto: Es möge sich doch, bitte schön, keiner in die 31-Jährige verlieben. So pauschal habe sie das nicht gemeint, stellt sie klar: „Ich hatte ein anderes Bild im Kopf: Ein Mann verknallt sich total in eine gute Freundin, und das droht ihre Freundschaft zu zerstören.“ Diese Geschichte hat sie in opulente Poparrangements gekleidet, Streicher inklusive. Dabei wollte die Musikerin ursprünglich eine Folkplatte aufnehmen, weshalb sie sich in ein Studio in Nashville einmietete. Wie geplant begann sie, mit ihrem Co-Produzenten Tofer Brown einige ganz puristische Nummern zu schreiben, nur wurden sie wieder beiseitegelegt: „Irgendwie hatte ich das Gefühl, nicht authentisch zu sein. Darum habe ich doch lieber dem Pop die Treue gehalten.“

Selbst die Akustikballade „Consider This“ rückt die hochkarätige Produktion in den Vordergrund. „Shine On (Little Diamond)“ oder „Before You Fell“ driften mit E-Gitarren ins Epische ab. „I’d Do It All Again“ richtet sich nicht bloß zwischen satten Klängen ein, sondern spricht Marit Larsen aus der Seele: „Ich bereue nichts, was ich getan habe“, sagt sie. „Nicht mal meine Fehler. Schließlich haben sie meine Persönlichkeit geformt.“ Mit solchen Bekenntnissen hätte sie sich vor ein paar Jahren noch schwergetan: „Weil ich seit meiner Kindheit in der Öffentlichkeit stehe, war es mir wichtig, wenigstens hier und da etwas für mich zu behalten.“

Aber inzwischen hat die Sängerin erkannt: Je mehr sie von sich preisgibt, desto mehr berührt sie ihre Hörer. Deswegen macht sie in dem Lied „Travelling Alone“ keinen Hehl daraus, dass sie sich manchmal ziemlich alleine fühlt. Obwohl ihre Freunde und ihre Familie immer für sie da sind: „Egal wie viele Menschen einem zur Seite stehen, letztlich muss jeder seinen eigenen Weg gehen.“ Das fällt Marit Larsen eigentlich nicht schwer. Sie braucht eh nicht ständig Leute um sich herum – im Gegenteil: Es gibt Phasen, in denen sie sich bewusst zurückzieht. Vor allem, wenn sie gerade an ihren Songs arbeitet. Normalerweise ist sie dann völlig auf sich gestellt, nur dieses Mal war es anders. Sie tauschte mit einigen US-Kollegen Ideen aus. „Das war für mich eine äußerst wertvolle Erfahrung“, erklärt sie. „Jetzt weiß ich genau, was ich will oder womit ich überhaupt nichts anfangen kann.“

Marit Larsen – When The Morning Comes (SevenOne/Sony) Deluxe Edition (CD inkl. Bonus-Tracks) 88875079312 / CD 88765441002 // ab 27.03.2015 im Handel