Brian Wilson // No Pier Pressure

Brian Wilson No Pier Pressure CoverDas Regent Hotel am Berliner Gendarmenmarkt ist ein feudaler Ort, erst recht während der Berlinale. Der dicke Teppich schluckt die Gespräche, im Kamin prasselt ein Feuerchen, an einem der Tische isst Christian Bale einen Salat. Auch Brian Wilson ist im Regent, um Werbung für einen Film zu machen. Der auf dem dramatischen Leben des inzwischen 72-jährigen Beach Boy basierende „Love and Mercy“ startet im Juni, am Vorabend wohnte Wilson der Europapremiere bei, nun sitzt er etwas abgekämpft wirkend in einem Sessel und lächelt zur Begrüßung. Was manvorher bereits erklärt bekam: Ein Interview mit Brian Wilson läuft anders als gewohnt. Und wirklich: Wilson antwortet stets kurz, teilweise in einem Wort. Im Nebenraum passt Ehefrau Melinda – die den völlig zurückgezogen lebenden Wilson vor 30 Jahren zurück ins Leben und zur Musik beförderte – ein bisschen auf ihn auf. Eine gute Idee also, die Songs sprechen zu lassen. Ein neues Soloalbum hat er nämlich aufgenommen, es heißt ‚No Pier Pressure‘ und ist das erste seit 2008. Wie gewohnt besticht Produktionsgenie Wilson auch dieses Mal mit seinen fein austarierten Harmonien und den perfekten Arrangements.  Außergewöhnlich sind die vielen Gäste. Neben Beach Boys wie Al Jardine und David Marks sind unter anderem Kacey Musgraeves, Zooey Deschanel und Nate Ruess mit am Start. Ein feines Album, das sehr melancholisch endet. Auf die Frage, ob „The Last Song“ womöglich das letzte Lied sei, dass er je geschrieben habe, antwortet Wilson: „Vielleicht.“ Hoffen wir es nicht.

Brian Wilson – No Pier Pressure (Capitol/Universal) 2LP 3791895 / Deluxe Edition (CD) 4721523 / CD 3791896 // ab 03.04.2015 im Handel