Mumford & Sons // Wilder Mind

Mumford and Sons Cover Wilder MindEs ist eine dicke Überraschung: Marcus Mumford (Gesang, Gitarre, Schlagzeug), Winston Marshall (Gitarre, Banjo), Ted Dwane (Bass) und Ben Lovett (Keyboards) haben für ihr drittes Album ihren typischen, unverkennbaren Mumford & Sons-Sound mit einem langborstigen Besen in die hinterste Ecke gekehrt. Bislang waren sie eine Folk-Band mit Rockeinflüssen. Jetzt eine Rockband mit Folkhintergrund? Nein, da hakt Marcus Mumford ein: „Diese Art der Betrachtung ist etwas faul und für meinen Geschmack zu nachlässig“, sagte der Frontmann unlängst dem Musik-Blog „heyreverb.com“, „wir haben ja immer schon auch Instrumente gespielt, für die man eine Steckdose brauchte. Unser Stil wird sich mit den Jahren noch häufiger wandeln und verändern.“ Das hoffe er jedenfalls.

Da die Songs der vier immer schon einen Tick eingängiger und kommerziell kompatibler waren als die der anderen, ging es erst gemächlich, dann rasant nach oben. „Little Lion Man“ und „The Cave“ vom Album ‚Sigh No More‘ (2009) waren plötzlich Hits, die Gruppe spielte bei Letterman und den Grammy Awards (zusammen mit Bob Dylan). Ratzfatz waren sie Superstars, ihr Album ‚Babel‘ (2012) verkaufte sich in der ersten Woche über eine Million Mal. Dafür gab es 2013 den Grammy für das „Album des Jahres“, die Single „I Will Wait“ ist immer noch allgegenwärtig. Im Sommer 2013 musste Ted Dawne wegen eines Blutgerinsels im Gehirn notoperiert werden, und während die Band live pausierte und Ted malad war, versammelten sich die übrigen im New Yorker Studio von Aaron Dessner von der Alternative-Rock-Band The National. „Wir spürten, dass uns unsere Instinkte in eine elektrischere, rockigere Richtung lenkten.“ In der Frage der Neuausrichtung seien alle der gleichen Ansicht gewesen: „Wir wollten einen Zahn zulegen.“ Gleich drei der neuen Songs – das Trennungslamento „Tompkins Square Park“, das verträumte „Broad-Shouldered Beasts“ und das gitarrenrockende, an Snow Patrol erinnernde und nach dem Park vor Dessners Studio benannte „Ditmas“ – haben direkte New-York-Bezüge, auch textlich seien dieses Mal alle vier Musiker sehr aktiv gewesen. „Wir haben die Lust des Songschreibens auf alle acht Schultern verteilt“, so Mumford, „und das war auch gut so. Denn während die eine Hälfte von uns, Ben und ich, voll glücklich verheiratet ist, brachten die anderen beiden ihre einsame Single-Existenz zum Ausdruck.“

Mit dem Produzenten James Ford (Arctic Monkeys, Haim) stellten sie ‚Wilder Mind‘ Ende 2014 in London fertig. „The Wolf“ ist das Paradebeispiel eines rockigen, treibenden, temporeich wuchtigen Songs, während das Titelstück „Wilder Mind“ amerikanische Altrockpoeten wie Jackson Browne oder Bruce Springsteen in Erinnerung ruft. Dass die erste Single „Believe“ mit dem ruhigen Beginn und der späteren Eruption und den Synthieflächen an Coldplay erinnert, hat sich herumgesprochen. Dass Radiohead eine Inspiration war, lässt sich ebenso heraushören, und dass sich die vier gerade bei den stilleren Nummern wie „Hot Gates“ oder „Monster“ von den leider immer noch im fröhlichen Frührentnerdasein verharrenden R.E.M. haben beeinflussen lassen, ist so unüberhörbar wie erfreulich.

Mumford & Sons – Wilder Mind (Island/Universal) LP 4727086 / Ltd. Del. Ed. 4727084 / CD 4727083 // ab 01.05.2015 im Handel