Mamas Gun // Cheap Hotel

Mamas Gun Cheap Hotel Cover„Wir waren nie eine Band, die nur eine Sache oder nur eine Stilrichtung gut kann“, sagt Andy Platts, Gründer, Sänger und Hauptsongschreiber von Mamas Gun. „Wir sind musikalisch ruhelos und abenteuerlustig. Aber im Zentrum steht immer der Song.“

Um dieses Zentrum herum gruppieren sich dann die Genres, innerhalb deren durchlässigen Grenzen sie ihre Lieder gestalten: Soul, Blues, Jazz, Funk, Rock und Pop. Wenn Platts singt, klingt er immer leicht nach Prince. Und wenn man die Band nach einem Album von Soulgöttin Erykah Badu benennt, ist ebenfalls klar, wo die Referenzen liegen.

Dass Mamas Gun auch auf dem dritten Album ‚Cheap Hotel‘ mit der Soul-Funk-Pracht der Siebziger flirtet, ist dabei sicherlich keine Überraschung, spielte man doch schon auf ‚Routes to Riches‘ (2009) und noch mehr auf ‚The Life and Soul‘ (2011) mit dem Besten, was die Seventies an Enflüssen zu bieten hatten. Dennoch: Mamas Gun ist keine reine Veranstaltung für Nostalgiker ist. Dafür hören sich die Songs, die Ed-Sheeran-Weggefährte Julian Simmons produziert hat, viel zu knusprig und heutig an. „Du kannst, wie wir, natürlich geprägt und begeistert sein von der Vergangenheit und diese Liebe in deine Musik transportieren“, sagt Platts, „aber die Art und Weise, in der wir im Jahr 2015 unsere Songs schreiben und produzieren, sorgt dafür, dass die Songs immer zeitgemäß sind. Wir wollen keine Band sein, die den goldenen Soul-Geist des Jahres 1976 wieder aufleben lässt, und doch kleiden wir manche Songs eben so ein, als könnten sie aus dieser Ära kommen.“ Mit Jazz, Soul und vielem mehr haben die Londoner reichlich Erfahrungen: Drummer Jack Pollitt spielte schon mit Beyonce, Gitarrist Terry Lewis produzierte Soulalben in den USA, Keyboarder Dave Oliver war musikalischer Direktor bei Lisa Stansfield, und Andy selbst spielte unter anderem mit den Klaxons, Corinne Bailey Rae und John Oates.

Zusammengefunden hat man sich 2007 auf dem damals angesagten Netzwerk Myspace, bis heute arbeiten die Musiker, wenn es der Zeitplan gestattet, weltweit mit anderen Topmusikern zusammen. „Zusammen entwickeln wir ein sehr hohes Maß an Musikalität, ohne selbstverliebt zu klingen“ so Platts. Das titelgebende ‚Cheap Hotel‘ steht im Amsterdamer Rotlichtviertel. Als eine andere Band seine Songwritingdienste in Anspruch nahm, wurde Platts dort einquartiert, und die Kaschemme hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. „Überall lag Müll, es stank nach Kotze, und in den Zimmern nebenan vergnügten sich besoffene Touristen sehr laut mit Prostituierten.“ Aber sehr zentral gelegen war es, das Hotel, in dem Platts in einer schlaflosen Nacht die Gerüste für mehrere Lieder schrieb, darunter das für den Titelsong.

Dass Mamas Gun auch thematisch mitunter die Lust an der Vergangenheit überkommt, beweist der tolle Soul-Song „Red Cassette“, der zurecht auch die erste Single ist. „Die Idee kam mir, als ich bei meinen Eltern war und meine alten Kisten auf dem Dachboden aufräumte. Mir fielen dabei meine alten Cassetten in die Hände.“ Als Kind hat Andy nicht nur einfach Radio gehört oder die Hits mitgeschnitten, nein, er war acht oder neun, „als ich im Kinderzimmer anfing, meine eigenen Radioshows mit ersten selbstkomponierten und aufgenommen Liedern zu moderieren.“ Die Frage, welchen Beruf dieser Junge, der mit zwölf schon in Bands spielte, einmal erlenen sollte, stellte sich übrigens „noch kein einziges Mal in meinem Leben, und sie wird sich wohl auch nicht mehr stellen“

Mamas Gun – Cheap Hotel (Candelion/rough trade) CD CLIONCD13 // ab 29.05.2015 im Handel