Muse // Drones

Muse Drones CoverDas siebte Werk der Briten ist ein Konzeptalbum über Killerdrohnen, staatliche Kontrolle und den Verlust der Menschlichkeit. Ein Ansatz, der auf Matt Bellamys Trennung von Hollywoodstar Kate Hudson und wachsender Unzufriedenheit mit den USA basiert – dabei hat er gerade eine Villa in Malibu bezogen.

Doch auch sonst ist der 37-Jährige ein einziger Widerspruch: Er steht auf Hightech und Oldtimer, hasst Paparazzi und war mit einem Filmstar verlobt, liebt deftige italienische Küche und ist selbst spindeldürr bzw. verachtet den „American way of life“, wohnt aber in dessen Epizentrum. Gegensätze, denen sich der Brite durchaus bewusst ist, die für ein verlegenes Lächeln sorgen, und um die sich auch sein neues Album dreht. Denn selbst wenn es auf dem ersten Blick um die wachsende Abstraktion der Kriegsführung geht, verbirgt sich dahinter eine Metapher für unsere heutige Zeit, die von Oberflächlichkeit, emotionaler Kälte und Entmenschlichung geprägt sei. „Ich kann nicht darüber reden, weil ich das Sorgerecht für meinen Sohn nicht gefährden will. Aber ich hatte schon das Gefühl, dass ich in meiner letzten Beziehung nicht sein konnte, wer ich bin. Ich habe mich schlichtweg in den falschen Menschen verliebt – und war kurz davor, emotional abzustumpfen.“

Weshalb die zweite Hälfte von ‚Drones‘ auch einem Manifest zum Widerstand gegen Kontrolle und Bevormundung gleicht. Und die Muse mit weniger Elektronik umsetzen als auf den Vorgängeralben. Stattdessen konzentriert man sich auf Gitarre, Bass und Schlagzeug, engagiert mit Mutt Lange (AC/DC) einen Experten für altmodischen Hardrock und gibt zuweilen richtig Vollgas. „Ich weiß nicht, ob das eine Rückbesinnung auf unsere Anfänge ist“, so Matt, „aber es ist auf jeden Fall eine Reduzierung unseres Sounds. Einfach, weil wir das Spiel mit der Technik so auf die Spitze getrieben haben, dass wir uns etwas Neues einfallen lassen mussten. Was nicht bedeutet, dass wir nicht mehr experimentieren. Ein Song wie „The Globalist“ dürfte diese Zweifel zerstreuen.“ In der Tat: Die zehnminütige Nummer am Ende des Albums mutiert vom cineastischen Score zu Heavy Metal zur Piano-Ballade und straft alle Kritiker Lügen, die ein ordinäres Album wittern. „Wir werden nie etwas Normales machen“, lacht Bellamy, „zumindest hoffe ich das.“

Was auch für die Live-Show gilt, bei der man zwar die visuellen Elemente verringern will, nicht aber den Unterhaltungswert. „Wir werden definitiv etwas mit Drohnen machen, je nachdem wie die Sicherheitsauflagen in bestimmten Ländern aussehen. Aber ich fände es schon spannend, mit Quadcoptern zu arbeiten. Schließlich habe ich so ein Teil zu Hause und schaue regelmäßig, was meinen Nachbarn treiben.“ In einer Gegend, in der Ozzy Osbourne, Bob Dylan oder Pink wohnen, bestimmt nicht unspannend. Nur: Eigentlich interessiert Matt das ja nicht. „Stimmt“, lacht der. „Aber wenn man schon in Malibu wohnt, muss man das auch nutzen…“

Muse – Drones (Warner) 2LP 2564612122 / Fan Box (2LP+DVD+CD) 2564612121 / CD+DVD 2564612123 / CD 2564612125 // ab 05.06.2015 im Handel