The Libertines // Anthems For Doomed Youth

The Libertines Anthems For Doomed Youth CoverElf Jahre nach ihrer Auflösung haben The Libertines mit ‚Anthems For Doomed Youth‘ ein neues Album aufgenommen. Die Songs haben das Zeug, dem zuletzt oft totgesagten Indie-Rock neues Leben einzuhauchen. Pete Doherty wirkt wie aus der Zeit gefallen. Zum Beispiel hat der britische Musiker kein Mobiltelefon. Statt eines Laptops oder Tablets trägt er eine Schreibmaschine mit sich herum und anstelle eines Portemonnaies auch schon mal einen Safe. Kein Wunder, dass seine Band The Libertines seit ihrer Gründung Ende der Neunziger diese ganz besondere, irgendwie romantische Aura umgab. Sie träumten von einem Ort namens „Albion“ – eine mystische Version Englands, wo alles ein bisschen besser ist – und dank der beiden Alben ‚Up The Bracket‘ und ‚The Libertines‘ träumte bald eine ganze Generation mit ihnen. Bis plötzlich alles den Bach herunterging. Dohertys Drogenabhängigkeit führte nicht nur zu Unstimmigkeiten, er brach sogar bei Bandkollege und Freund Carl Barât ein. Das Ende der Band war besiegelt. Barât gründete die Dirty Pretty Things und nahm zwei Soloalben auf, Doherty sorgte entweder mit seiner Band Babyshambles oder weiteren Drogengeschichten für Schlagzeilen. Elf Jahre später ist nun eingetreten, was wohl keiner mehr für möglich gehalten hätte: Mit ‚Anthems For Doomed Youth‘ veröffentlichen The Libertines ein neues Album. Initialzündung für die Platte war das Live-Comeback der Band im vergangenen Sommer. Im Londoner Hyde Park spielten sie vor 60.000 begeisterten Fans, und die Chemie zwischen Carl Barât und Pete Doherty, sie stimmte auf einmal wieder. Davon beflügelt, begab Doherty sich direkt im Anschluss in eine Entzugsklinik in Thailand. „Vorher konnten wir nicht mit dem Album beginnen“, so Doherty. „Carl musste sehen, dass ich wenigstens den Versuch unternahm, mich zu ändern.“ Dohertys Versuch war erfolgreich. Noch in Thailand unterschrieben The Libertines ihren neuen Plattenvertrag – und dort entstand schließlich auch ‚Anthems For Doomed Youth‘. Die Songs stammen nicht, wie manch einer vielleicht gehässig vermuten würde, aus irgendeiner Schublade, sondern bis auf „You’re My Waterloo“ sind sie alle neu. „Alles andere wäre auch faul gewesen“, findet Schlagzeuger Gary Powell. „Ich bin aber nicht faul, und ich arbeite auch nicht mit faulen Leuten.“ Produziert wurde das Album von Jake Gosling, der schon mit Ed Sheeran und One Direction gearbeitet hat. Den für die Libertines so typischen stürmischen und chaotischen Sound haben die Songs trotzdem. Eingängige Indie-Rock-Nummern wie „Barbarian“ treffen auf Punk- und Britpop-Einflüsse, großartige Melodien und die eine oder andere Ballade. Am Ende ist klar: Mit ‚Anthems For Doomed Youth‘ könnten The Libertines die Welt des Gitarrenrock ein zweites Mal auf den Kopf stellen. Wenn sie es nicht wieder versauen. Aber Doherty gibt sich optimistisch. „Clean zu sein ist eine großartige neue Droge“, sagt er. „Dabei ist es eigentlich keine Droge – es ist eher, als hätte ich mich selbst gefunden.“

The Libertines – Anthems For Doomed Youth (EMI/Universal) LP 4746281 / Ltd. Boxset (2CD+DVD+LP) 4746283 / Deluxe CD 4746285 / CD 4746277 // ab 11.09.2015 im Handel