The BossHoss // Dos Bros

The BossHoss Dos Bros CoverSchweigsamer Cowboy? In diese Kategorie passt Alec Völkel alias Boss Burns gewiss nicht. Der BossHoss-Sänger, der zum Interview in einem Hamburger Hotel ohne seinen Kollegen Sascha Vollmer antritt, redet gern und viel. Der 43-Jährige ist halt eher ein moderner Großstadt-Cowboy. Er liebt Tattoos, das sieht man auf den ersten Blick – etliche Tätowierungen zieren seinen Körper. Rein äußerlich würde man ihn eher in der Heavy-Metal-Szene ansiedeln. Doch Alec Völkel hat bekanntlich ein Faible für Country-Rock. Seit nunmehr zehn Jahren mischt seine Gruppe mit dieser Musik die Charts auf. Zunächst mit Coversongs, mittlerweile mit Eigenkompositionen. Das neue Doppelalbum ,Dos Bros‘ bietet einen Mix aus beidem. Auf der einen CD finden sich hauptsächlich Stücke, die die Berliner in Nashville gemeinsam mit verschiedenen Songschreibern entwickelt haben. Der zweite Langspieler fährt allein Coverversionen auf – er ist ein Geschenk an die Fans zum zehnjährigen Jubiläum. Eigens für sie haben BossHoss Aura Diones „Geronimo“ mit Banjos in eine Squaredance Nummer verwandelt. Oder mithilfe der Common Linnets Dolly Partons „Jolene“ ein wenig modernisiert: „Am liebsten hätten wir dieses Lied mit Dolly Parton aufgenommen. Aber an so eine US-Größe kommt man nicht so easy ran.“ Dafür ließen sich Nena, Xavier Naidoo oder Rea Garvey nicht lange bitten: Sie spielten gern mit ihren ehemaligen „The Voice of Germany“-Kollegen einen Titel ein. Warum sind Völkel und Vollmer nach drei Staffeln bei dieser Castingshow ausgestiegen? „Erstens war das Ganze sehr zeitaufwendig, zweitens wäre es allmählich zur Routine geworden und drittens wollten wir lieber gehen, bevor wir irgendwann an einen Punkt gekommen wären, wo uns die Leute nicht mehr hätten sehen mögen.“ Völkels Fazit fällt trotzdem positiv aus: „Diese Fernsehsendung hat unseren Bekanntheitsgrad natürlich mindestens verdoppelt.“ Davon profitierten BossHoss, als sie das Video zur Single „Dos Bros“ drehten. Sie konnten Franziska Knuppe für eine Rolle gewinnen. Das Model macht den Jungs mit seinen barbusigen Amazonen das Leben zur Hölle. Angepeitscht von schneidigen Militär-Drums ketten die Frauen ihre beiden Gefangenen an eine Heizung. Für Völkel ist das ein Mini-Roadmovie in bester Tarantino-Manier, Feministinnen vergeht bei manchen Szenen höchstwahrscheinlich das Lachen. Nackte Brüste oder die Nahaufnahmen mancher Körperteile dürften sie als Beleidigung empfinden. Völkel zuckt die Schultern. „Sicherlich sind die Frauen sexy“, räumt er ein. „Aber sie bleiben die Dominanten.“ Gegen sie haben die unterlegenen Männer einfach keine Chance: „Darum ist die Geschichte mit einem Augenzwinkern zu sehen.“ In die Sexisten-Ecke lässt er sich jedenfalls nicht stellen: „Wir sind keine Machos.“ Selbstverständlich bemüht er sich, dem weiblichen Geschlecht stets auf Augenhöhe zu begegnen. Zu soft sollte ein Mann seiner Ansicht nach allerdings nicht sein: „Ich denke, Frauen wünschen sich einen starken Kerl, der zugleich einfühlsam und verständnisvoll ist.“

BossHoss – Dos Bros (Island/Universal) 2LP 4737486 (ab 9.10.15) / Ltd. Super Deluxe (2CD+DVD) 4737488 / Deluxe Edition (2CD) 4754110 / CD 4737430 // ab 25.09.2015 im Handel