Enya // Dark Sky Island

Enya Dark Sky Island Cover„Ich brauche viel Zeit für mich.“ „Am Anfang meiner Laufbahn“, sagt die vermutlich bekannteste lebende Irin, „wusste keiner, ob Enya ein Mann, eine Frau oder eine Band ist. Das fand ich super. Der Fokus lag immer auf der Musik, nicht auf mir. Folglich konnte ich getrost einen Schritt zurückmachen, anstatt einen nach vorne ins Rampenlicht.“
Eithne Patricia Ní Bhraonáin, kurz Enya, ist auch über 25 Jahre nach dem ersten Welterfolg eines der größten Rätsel der Popmusik. Sie lebt seit vielen Jahren in einem Schloss in der Nähe von Dublin am Meer, sie arbeitet stets mit denselben Personen zusammen (dem Produzentenehepaar Roma und Nicky Ryan), und sie lässt sich nicht hetzen. Trotzdem – oder gerade deshalb – hat Enya (54) seit ihrem Debüt ‚Watermark‘ aus dem Jahr 1988 mehr als 80 Millionen Alben verkauft. Ihr neues Werk heißt ‚Dark Sky Island‘ und ist das erste seit sieben Jahren.
Am typischen Enya-Sound hat sie auch dieses Mal festgehalten: Sie mischt keltischen Folk, Weltmusik, sakrale Klänge und ein wenig Electro-Pop, im Zentrum jedoch steht Enyas auf endlos vielen Tonspuren geschichtete Stimme. Ein gewaltiger Sound, vor allem, wenn man diese Musik laut hört. Als Enya ‚Dark Sky Island‘ in Dublin den Medien sowie den leitenden Mitarbeitern ihrer Plattenfirma vorspielt, herrscht denn auch vollkommene Stille und Ergriffenheit. „Wenn die Leute sich nicht einmal mehr bewegen, während sie meinen Liedern zuhören“, so Enya, „dann finde ich das natürlich großartig. Eine andächtige Atmosphäre ist aber nicht zwingend. Leute hören Musik auf Dinnerpartys, beim Fahrradfahren oder im Schlafzimmer. Jeder, wie er mag. Mir ist vielmehr wichtig, ein persönliches, emotionales Grundgefühl in jedem Song zu vermitteln.“
Ausgangspunkt für das Album war die kleine Kanalinsel Sark, auf der es weder Autos noch Kleinflugzeuge gibt, nur Boote. „Die Menschen auf dieser Insel sind ungemein stolz auf ihren ungetrübten Sternenhimmel.“ Dort war Enya allerdings noch nie, sie kennt den Ort nur aus Erzählungen. „Gerade meine musikalischen Reisen spielen sich vor allem in meiner Vorstellungskraft ab“. Am südamerikanischen „Orinoco Flow“, so der Titel ihres ersten Welthits, sei sie auch nie gewesen. „Aber ich reise auch tatsächlich gern, besuche jährlich Verwandte in Australien und bin gern in Japan.“ Während ihrer mehrjährigen Auszeit lebte Enya überwiegend in ihren Haus an der Cote d’Azur. Dort konnte sie noch mehr Mensch sein als zuhause, wo sie doch sehr zurückgezogen lebt. „Ich bin essen gegangen, habe viel gelesen, mich mit Freunden getroffen, sehr normale Dinge getan. Das Schöne war, dass ich jahrelang nicht auf die Uhr achten musste. Ich konnte mir so viel Zeit nehmen, wie ich wollte, das Lebenstempo war wundervoll gemächlich.“ Sogar für eine feste Partnerschaft sei in Südfrankreich Platz gewesen, was ungewöhnlich für sie sei, „denn ich bin ein sehr unabhängiger Mensch und brauche viel Zeit für mich alleine“. Gehalten hat die Liebe nicht. Enya arbeitet im ungewohnt zackigen „Even in the Shadows“ die Trennung auf. „Für mich war es irgendwie das erste Mal, so einen Song zu schreiben – deshalb auch der ungewohnte Rhythmus, der Beat. Zum Glück ist das Trauma überwunden.“

Enya – Dark Sky Island (Warner) LP (ab 11.12.15) 2564698269 / Deluxe Edition (CD inkl. 3 Bonus-Tracks) 2564699444 / CD 2564600185 // ab 20.11.2015 im Handel