Coldplay // A Head Full Of Dreams

Coldplay A Head Full Of Dreams CoverKeine Frage: Chris Martin hat die Scheidung von Schauspielerin Gwyneth Paltrow verarbeitet und freut sich wieder des Lebens. „A Head Full of Dreams“ könnte kaum unterschiedlicher klingen als der Vorjahresvorgänger „Ghost Stories“, dessen Songs selbst für Coldplay-Verhältnisse recht deprimierend waren. Doch für Chris Martin ist das eine Album nicht ohne das andere denkbar. „Vor ungefähr drei Jahren wachte ich auf und eine Stimme im Universum sagte mir: Ihr solltet ein Album namens ‚Ghost Stories‘ machen und danach ein Album mit dem Titel ‚A Head Full of Dreams‘. Ich mag die beiden Titel gern, denn einer klingt sehr persönlich und intim und still, der andere beinhaltet so viele Bilder für mich, die sich darum drehen, was man als Mensch erreichen kann und dass alles möglich ist. Ich fühle mich total lebendig.“
So überschwänglich, wie der Frontmann kürzlich mit seiner neuen Freundin durch die Straßen von Paris tanzte, so ausgelassen klingt das neue Album seiner Band. „Army of One“ zum Beispiel ist mit den housigen Beats und den großen Popharmonien ein Song für die Dance-Clubs ,„Amazing Day“ steckt voller Euphorie in Text und Musik, die erste Single „Adventure Of A Lifetime“ ist mitreißender Pop. „Mir geht es viel besser als vor einigen Jahren“, so Chris Martin. „Ich bin in einer Phase, in der ich sehr viel Spaß habe und mich meines Lebens erfreue.“ Was nicht zu überhören ist. Das neue Werk klingt ganz anders als der verhaltene Vorgänger, nämlich größtenteils wie eine euphorische Pop-Bonbontüte, ein Duett mit Beyoncé („Hymn For The Weekend“) inklusive. „Ich wollte ursprünglich einen HipHop-Song mit dem Titel ‚Drinks on me‘ machen“, so Martin zur Entstehung. „Aber naja, ich sah ein, dass sowas als Coldplay-Song nun echt nicht funktionieren würde.“ Im Verbund mit Beyoncé, einer guten Freundin des Sängers („Ich brauchte sie nur anrufen, sie war sofort dabei.“) hingegen klingt die Nummer einfach klasse.
Wir treffen Chris und seinen vergleichsweise schweigsamen, aber ebenso freundlichen und zugänglichen Kollegen Jonny Buckland (Gitarre, beide 38), im Coldplay-Hauptquartier. Wer nicht weiß, dass in diesem unscheinbaren Nordlondoner Hinterhof zwischen Camden und Hampstead eine der populärsten Bands der Welt mit Tonstudio und Büroräumen residiert, der läuft mit Sicherheit an dem „The Bakery“ getauften zweistöckigen Gebäude vorbei. Hier arbeiten also die Unifreunde Chris, Jonny, Will Champion (37, Schlagzeug) und Guy Berryman (37, Bass), hier entstanden auch Teile des neuen und siebten Albums, das nur 18 Monate nach dem Vorgänger veröffentlicht wird, „weil ich mich letztes Jahr nicht wie ein Frontmann fühlte, und weil wir die Energie, die eine Tour kostet, stattdessen diesmal im Studio investierten“. Produziert wurde das neue Werk vom Stammkollaborateur Rik Simpson sowie vom norwegischen Dance-Duo Stargate – eine mutige Wahl. Chris Martin: „Wir alle sind der Meinung, dass Musik dieser Tage keine Begrenzungen mehr kennt. Sie hat auch keine festen Verankerungen mehr, nichts ist mehr voneinander getrennt. Deshalb darfst du als Musiker alles ausprobieren, was dir in den Sinn kommt.“

Coldplay – A Head Full Of Dreams (Parlophone/Warner) 2LP 2564698215 / CD 2564698264 // ab 04.12.2015 im Handel