Birdy // Beautiful Lies

Birdy Beautiful Lies CoverReden ist nicht gerade ihr Ding. „Auf der Bühne weiß ich oft gar nicht, was ich zwischen den Songs erzählen soll“, gesteht Jasmine van den Bogaerde alias Birdy. Auch beim Interview in einem Berliner Hotel wirkt die Britin zurückhaltend: „Ich bin von Natur aus schüchtern.“ Am wohlsten fühlt sich Birdy, wenn sie Musik macht. „Beim Singen oder am Klavier tauche ich in meine eigene Welt ein. Das gibt mir Selbstsicherheit.“ Mit 19 hat sie endlich gelernt, ihren künstlerischen Fähigkeiten zu vertrauen. Sie ließ es sich nicht nehmen, den musikalischen Kurs für ihr drittes Album ,Beautiful Lies‘, das vom Erwachsenwerden handelt, selber festzulegen: „Wenn mir etwas gegen den Strich ging, habe ich im Studio wirklich konsequent nein gesagt.“ Einige Stücke hat Birdy sogar koproduziert. Die Texte sind oftmals sehr persönlich. Die Sängerin scheut nicht mehr davor zurück, ihr Publikum ganz nah an sich heranzulassen. Mit der eingängigen Single „Keeping Your Head Up“ gewährt sie Einblicke in ihr Seelenleben: „Bei einem Popstar dreht sich nicht alles nur um Champagner oder High Heels“, stellt sie klar. „Das frühe Aufstehen und das viele Reisen sind ziemlich anstrengend.“ Wenn sie wieder mal den Geburtstag einer Freundin verpasst hat, frustriert sie das ungemein: „Manchmal ist es hart für mich, den normalen Teenageralltag nicht mitzuerleben.“ Deshalb muntert sie sich mit „Keeping Your Head Up“ selber auf: „In traurigen Momenten, in denen ich mir ein bisschen verloren vorkomme, führe ich mir stets vor Augen, dass irgendwann bessere Zeiten kommen.“ Oder Birdy nimmt sich ein gutes Buch und liest. Von Arthur Goldens Roman „Die Geisha“ konnte sie einfach nicht genug kriegen. Dieses Werk brachte sie dazu, in Nummern wie „Growing Pains“ japanische Klänge in ihren melancholischen Singer/Songwriter-Pop einfließen zu lassen: „Obwohl ich noch nie in Japan war, haben mich insbesondere Goldens Landschaftsbeschreibungen fasziniert. Beim Singen habe ich bisweilen das Gefühl, hoch oben auf einem japanischen Berg zu stehen.“ Dabei neigt Birdy eigentlich nicht zu Höhenflügen. Hört man ihre Musik, könnte man eher meinen, sie sei trübsinnig. Doch das verneint sie energisch: „Ich bin eine Optimistin.“ Woher kommt dann der Seelenschmerz, der einen Großteil ihrer Lieder durchzieht? Er ist in ihrer Kindheit verwurzelt. Birdys Mutter, eine Konzertpianistin, hat ihrer Tochter oft schwermütige Kompositionen vorgespielt, die die Kleine überwältigt haben: „Ich erkannte, dass Traurigkeit die stärkste Emotion ist. Deswegen verschreibe ich mich ihr als Künstlerin ganz bewusst.“ Gleichwohl ist Birdy keine Eigenbrötlerin. Sie wuchs mit drei Brüdern und einer Schwester auf dem Land auf. In ihrer Familie war immer etwas los. Das hat sie anfangs vermisst, als sie in London eine eigene Wohnung bezog: „Ich habe mich gefragt: Warum bin ich überhaupt hier?“ Streng genommen ist das Großstadtleben nicht ihre Welt: „Ich bin ein Mensch, dem es besser geht, wenn er jeden Tag raus in die Natur kann.“

Birdy – Beautiful Lies (Atlantic/Warner) LP 2564648204 / Deluxe Edition (CD inkl. 4 Bonus Tracks) 2564648205 / CD 2564648206 // jetzt im Handel