Reinhard Mey // Mr. Lee

Reinhard Mey Mr. Lee CovorAuch fast 50 Jahre nach seinem ersten Album ist bei Reinhard Mey die alte Begeisterung noch zu spüren. Auf seinem aktuellen Longplayer begibt er sich auf Spurensuche nach dem stillen Europäer ‚Mr. Lee‘, der sich vor den geschundenen Seelen verneigt, die in den Folterkellern von Phnom Penh schmachteten. Der Liedermacher wahrt zwar sein Geheimnis, legt aber musikalische Hinweise vor, die es Fährtenlesern ermöglicht, Mr. Lee zu finden. Die Lust am Erzählen, das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen zu erleben, das treibt Deutschlands wohl bekanntesten Liedermacher, den außergewöhnlichen Sprach- und Tonkünstler Reinhard Mey, immer noch um. In ‚Mr. Lee‘, seinem sage und schreibe 27. Longplayer, erzählt der gebürtige Berliner einmal mehr seine ganz persönliche Geschichte. In fünfzehn einzigartigen Songs fächert er verblüffende Augenblicke des Erkennens und besondere Momente seines Lebens auf.
Zwischen Freude und Melancholie, zwischen Realität und Fantasie hat Reinhard Mey wie immer viel zu erzählen. So gibt es Geschichten, die amüsieren, wie der Song „Herr Fellmann, Bonsai und ich“, in der sich der Liedermacher über die Odyssee des verwirrten Herrn Bölke auslässt. Solche, die berühren, wie „So viel Sommer“. Und wiederum solche, die zum Nachdenken und zu Bescheidenheit anregen, wie „Wenn’s Wackersteine auf dich regnet“. Durchdrungen von reiner Poesie singt Mey in „Dr. Brand“ über das Gefühl der späten Reue, die er gegenüber seinem alten Lehrer empfindet, dem er in jungen Jahren Unrecht angetan hat, und im „Haus am Meer“ stellt er sich seinen dunklen Dämonen, die des Nachts an den Grundfesten unseres Daseins rütteln. In „Im Golden Hahn“ wirft der Lieder-Poet einen Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft, und in „Lucky Laschinski“ besingt er seine Liebe zu allen Katzen, Hunden und Menschen und sein Heimweh nach Berlin-Friedrichshain mit seinen idyllischen Partywinkeln, „wo dir die Partygänger nachts gern in den Hausflur pinkeln”.
Reinhard Meys Lieder sind gedacht für Menschen, die sich sowohl in hellen als auch in dunklen Tagen nicht von ihrem Weg abbringen lassen. Am Ende des Albums gibt es noch zwei besondere Bonus-Tracks: „Zeit zu leben“ ist eine Coverversion von Klaus Hoffmann und zugleich eine Hommage an seinen Liedermacherkollegen. Bei „Lavender’s Blues“ handelt es sich um ein englisches Wiegenlied aus dem 17. Jahrhundert, das er wie „Zeit zu leben” mit seiner Tochter Victoria-Luise aufgenommen hat. Wer letztlich genau dieser Mr.Lee ist, dem das Album seinen Namen zu verdanken hat, findet sich im Titeltrack und in den 14 weiteren Stücken. Die Kreativität des deutschen Singer/Songwriters mit internationalem Renommee ist immer noch ungebrochen, das offenbart eindrucksvoll sein großes musikalisches und lyrisches Spektrum auf ‚Mr. Lee‘.

Reinhard Mey – Mr. Lee (Odeon/Universal) 2LP 4790726 / CD 4769396 // ab 06.05.2016 im Handel