Milow // Modern Heart

Milow Modern Heart CovorJonathan Vandenbroeck alias Milow ist wohl einer der nettesten Vertreter des Popgeschäfts. Selbstverständlich entschuldigt er sich dafür, dass der ursprünglich anvisierte Interviewtermin am Tag zuvor doch nicht zustande gekommen ist. Es habe Kommunikationsprobleme mit seinem Management gegeben, sagt er. 
Dafür spricht der belgische Singer/Songwriter heute bestens gelaunt über sein Album ‚Modern Heart‘, das er – genau wie den Vorgänger ‚Silver Linings‘ – in Los Angeles aufgenommen hat. In der kalifornischen Metropole fühlt sich der 34-Jährige inzwischen richtig heimisch. Er lebt dort, wenn er nicht gerade in seiner Wohnung in Belgien weilt oder tourt. Vor allem das gute Wetter hat es ihm angetan. Milow verbringt viel Zeit im Freien, er geht surfen, wandern oder laufen: „Das macht den Kopf frei.“
Wie wichtig solche kleinen Auszeiten sind, hat er längst begriffen. Vor ein paar Jahren war das allerdings noch anders: „Damals drehte sich bei mir alles um Musik.“ Mittlerweile hat er einen Gang runtergeschaltet, was auch der Song „Really Rich“ belegt. Er handelt davon, dass Geld allein nicht glücklich macht, und vereinigt die akustische Gitarre mit dezenten elektronischen Spielereien. Hier zeichnet sich bereits ein musikalischer Richtungswechsel ab, der bei anderen Stücken noch deutlich verstärkt wird. Die Single „Howling At The Moon“ fährt fröhliche Tropical-House-Beats auf. Techno-Rhythmen eröffnen „Lonely Love“, dann gesellen sich dunkle Bässe dazu. Woher kommt diese Hinwendung zu clubtauglichen Klängen? „Ich mochte schon immer HipHop und R’n’B“, erzählt Milow, der ein bekennender The-Weeknd-Fan ist. Deshalb beschloss er, sein Klangspektrum zu erweitern und mit Beats zu experimentieren. Komplett neu erfinden wollte er sich indes nicht: „Ich hoffe, meine Fans machen in meinen Liedern nach wie vor den typischen Milow-Flair aus.“
Auf jeden Fall hat er sich sein Faible für eingängige Melodien und nachdenkliche Texte bewahrt. „Fast Lane“ ermuntert den Zuhörer, einfach mal etwas auszuprobieren – egal, ob er scheitert oder nicht. Parallel dazu lässt Milow in diesem Titel seine Kindheit in einer belgischen Kleinstadt Revue passieren: „Ich habe mich dort als Teenager gefangen gefühlt. Mein Ziel war es, die Welt zu sehen.“ Dank seiner Musikerkarriere konnte er sich diesen Traum erfüllen. Gleichwohl gehört er nicht zu denen, die das Leben stets durch eine rosarote Brille betrachten. Auch wenn ihn moderne Technologien durchaus faszinieren, zeigt er in „Lonely Love“ die Schattenseiten der sozialen Medien auf: „In Momenten, in denen man sich einsam fühlt, nützen einem die zahlreichen Facebook-Freunde nichts. Nur wer raus vor die Tür geht, kann echte Kontakte knüpfen.“ Deswegen wäre es nicht Milows Ding, via Tinder zu flirten: „Ich kann verstehen, was die Leute an so einer Dating-Plattform reizt. Im Netz haben sie weniger Hemmungen als in einem direkten Gespräch.“ Aber für ihn wäre so eine Online-Begegnung zu künstlich: „Das ist für mich nicht die wahre Welt.“

Milow – Modern Heart (Island/Universal) LP 4784868 / Ltd. Deluxe Edition (2CD) 4784859 / CD 4784858 // ab 13.05.2016 im Handel