Beyoncé // Lemonade

Beyoncé - Lemonade CoverEs hat sich womöglich schon herumgesprochen, kann aber gar nicht oft genug betont werden: Dieses Album ist ein Triumph. ‘Lemonade’ überwältigt und begeistert auf tatsächlich allen Ebenen.
Zunächst musikalisch: Beyoncé scheut kein Experiment, siehe den tief in Reggae getunkten Sommerhit „Hold up“, das jazzige „Daddy Lessons“ oder die wunderschöne Pianoballade „Sandcastles“. Verglichen mit dem recht introvertierten Vorgänger hat ‚Lemonade‘ die klareren Hits und deutlich mehr Wumms. So unterschiedlich die Songs stilistisch sind, so durchgängig ist der Inhalt: Beyoncé ist sehr, sehr sauer, da ihr Partner sie hinterging, und diese Wut äußert sich besonders krass im fulminanten „Don’t Hurt Yourself“, einem Duett mit Jack White. Ob Gatte Sean Carter alias Jay-Z seine Beyoncé tatsächlich betrogen hat, und wenn ja, mit wem und wie vielen, bleibt offen. Hinter der Fremdgeh-Erzählung, die auf dem Album (und, so sie stimmt, auch im Leben) mit Vergebung und Versöhnung endet, steckt noch eine tiefere, gesellschaftlich relevante Ebene, nämlich das Verhältnis zwischen schwarzer Frau und schwarzem Mann insgesamt. Wohl durchdacht positioniert sich Beyoncé Knowles so auch in feministischen und bürgerrechtlichen Fragen (indem sie im begleitenden Video zum Album etwa Malcolm X sowie die Mütter mehrerer durch Polizisten getöteter schwarzer Jugendlicher zu Wort kommen lässt). Das Folgeprojekt scheint schon in Planung: Gerüchten zufolge veröffentlicht das Power-Paar Carter-Knowles demnächst ein Gemeinschaftsalbum.

Beyoncé – Lemonade (Columbia/Sony) CD+DVD 88985336822 // ab 06.05.2016 im Handel