Red Hot Chili Peppers // The Getaway

Red Hot Chili Peppers - The Getaway CoverFünf Jahre musste die Musikwelt auf neues Material der Pfefferschoten warten. Jetzt liegt es vor – und birgt eine ganze Reihe von Überraschungen, die ‚The Getaway‘ zu einem der spannendsten, aber auch ungewöhnlichsten Alben der Kalifornier macht.
Wobei die offenkundigste und einschneidenste Zäsur ganz klar der Verzicht auf Stamm-Produzent Rick Rubin darstellt. Mit ihm haben die Peppers über 25 Jahre und sechs Alben gearbeitet, wobei sein Erfolgsrezept vor allem darin bestand, die Band einfach machen zu lassen, was sie am besten kann: Songs bei endlosen Jam-Sessions zu schreiben. Doch auch dieser Ansatz, der zu Bestsellern wie ‚Blood Sugar Sex Magik‘ (1991) oder ‚Californication‘ (1999) führte, nutzt sich irgendwann ab, wie Sänger Anthony Kiedis zugibt. „Uns war klar, dass es Zeit für etwas Neues wird. Einfach, um nicht in eine Routine zu verfallen und immer dasselbe zu machen. Deshalb haben wir uns einen Produzenten gesucht, der uns vor echte Herausforderungen stellt und einen anderen Weg einschlägt.“
Eine Aufgabe, die man zunächst David Bowie und Brian Eno übertragen wollte, doch beide sagten ab. So kam man auf den ehemaligen Brötchengeber von Neu-Pepper Josh Klinghoffer: Klangtüftler Brian Burton alias Danger Mouse, der mit Bandprojekten wie Gnarls Barkley berühmt wurde – aber auch als rechte Hand von Norah Jones, U2 oder den Black Keys. „Als erstes meinte er, dass unsere Demos zwar ganz nett seien, aber dass er viel lieber neue Stücke mit uns im Studio schreiben wolle. Was bedeutete, dass wir 20 fertige Songs verworfen haben, aber auch ganz anders vorgegangen sind als bisher. Eben in dem wir sämtliche Möglichkeiten genutzt haben, die einem das Studio bietet. Sprich: Wir haben mit Effekten und Sounds experimentiert, etliche Klangschichten übereinandergelegt und uns regelrecht neu erfunden.“
Weshalb ‚The Getaway‘ – eine Hommage an den Filmklassiker mit Steve McQueen – mit einem breiten stilistischen Spektrum (Punk, Funk, New Wave, atmosphärische Klanggemälde), einem arrivierten Instrumentarium (Klavier, Bläser, Streicher) sowie introspektiven, offenherzigen Texten glänzt. Darin reflektiert Kiedis zum einen die aktuelle politische Situation in den USA, die zwischen Slapstick und Propaganda pendelt, hinterfragt seine eigene Existenz und verarbeitet das Ende seiner zweijährigen Beziehung zu Super-Model Helena Vestergaard. „Es hat mir das Herz gebrochen, diese wunderbare Frau zu verlieren“, so Kiedis. „Gleichzeitig, und das ist die Ironie, hat sie mir aber auch den Stoff für einige der besten Zeilen geliefert, die ich je geschrieben habe und in denen ich so ehrlich bin, wie noch nie.“ Was für ein intimes, warmes und extrem spannendes Hörvergnügen sorgt – und für die Erkenntnis, dass die Peppers (nicht zum ersten Mal in ihrer Karriere) eine wundersame Wandlung hingelegt haben und (wie ein guter Wein) immer besser werden. Eine rare Qualität und eine, die diese Band zu etwas ganz Besonderem macht. „Es ist eine aufregende Reise, die noch längst nicht zu Ende ist“, grinst denn auch Kiedis.

Red Hot Chili Peppers – The Getaway (Warner) 2LP 9362492016 / CD 9362492015 // ab 17.06.2016 im Handel