Biffy Clyro // Ellipsis

Biffy Clyro - Ellipsis CoverGenug ist genug: Nach drei Alben in der Stadionrock-Liga wollen es die sympathischen Schotten etwas gehaltvoller angehen lassen. Eben mit kantiger Klangkunst statt euphorischen Mitgröl-Hymnen. Einfach, weil sie es sich leisten können, und weil es – wie auf ihrem aktuellen Werk ‚Ellipsis‘ – verdammt viel Spaß macht.
Simon Neil, ganzkörpertätowierter Frontmann und Gitarrist von Biffy Clyro, ist einer der nettesten Menschen im internationalen Musikgeschäft. Ein 36-jähriger, langhaariger Schlacks mit breitem Dauergrinsen, heftigem Akzent und großen, glänzenden Augen, die zeigen, dass er liebt, was er tut, dass er Freude an der eigenen Musik und dem einhergehenden Lifestyle hat. Und dass er sich nichts mehr wünscht, als dass es genau so bleibt. „Ich kann nicht fassen, wie weit wir es in dieser Branche gebracht und was wir alles erlebt haben. Nur: Nach dem letzten Album beschlich mich auch das Gefühl, dass es zu viel wird, dass es uns zu sehr vereinnahmt und der Druck wächst – was nun wirklich nicht sein muss“, erinnert er sich an das letzte Epos ‚Opposites‘, mit dem das Trio 2013 erstmals Stadien gefüllt und sogar Dudelsäcke, Streicher und eine Mariachi-Band aufgefahren hat. „Das waren alles nette Ideen, die ich toll fand, die das Songwriting aber zugleich immer komplexer und schwieriger gemacht haben. Und als es an dieses Album ging, saß ich da mit meiner Gitarre, einem Stück Papier und einem Stift, und mir fiel absolut nichts ein. Also ich hatte keine Ahnung, wie ich das toppen sollte. Weshalb ich zum Sound unserer frühen Alben zurückgekehrt bin. Zu deutlich knarzigeren und kantigeren Tönen.“

Was den Nagel auf den Kopf trifft: Unter der Regie von Rich Costey (Muse, U2) entstanden elf Songs, die wieder mehr an Werke wie ‚Blackened Sky‘ (2002) und ‚Infinity Land‘ (2004) erinnern, rau, ruppig, ungeschliffen und unkonventionell anmuten, Beach-Boys-Harmonien neben akustische Gitarren, Stakkato-Riffs, verzerrte Vocals und verspielte Keyboards stellen, aber keineswegs chaotisch, sondern eher frisch und ungestüm anmuten. „Es zeigt, wozu wir in der Lage sind, wenn man uns alle künstlerischen Freiheiten lässt“, lacht Simon. „Und ich muss sagen, ich finde das verdammt spannend. Es ist immer noch Biffy Clyro, aber einfach mal ganz anders. Wir bleiben nicht stehen und machen immer dasselbe, sondern wir ergreifen die Flucht nach vorn. Und ich denke, unsere Fans wissen das zu schätzen. Genau wie die Tatsache, dass man auf dem Cover nicht unsere behaarten Hintern sieht.“

Die haben Simon und die Gebrüder Johnston nämlich vorsorglich wegretuschieren lassen. „Aus rein ästhetischen Gründen“, so Simon. „Wir wollen niemanden verschrecken – erst recht nicht optisch. Wobei das eine der lustigsten Fotosessions aller Zeiten war: Drei nackte Schotten, die sich vor der Kamera wie Schildkröten zusammenrollen. Würde es so etwas auch bei Guns N´Roses oder AC/DC geben? Niemals! Das ist so Anti-Mainstream, wie es nur sein könnte. Und es zeigt, wo wir heute stehen und wie wohl wir uns dabei fühlen.“ Quod erat demonstrandum!

Biffy Clyro – Ellipsis (Warner) 2LP 9029597280 / Deluxe Ed. (CD inkl. 2 Bonustracks) 9029597281 / CD 9029597282 // ab 08.07.2016 im Handel