Marteria // Roswell

Marteria (Foto: Paul Ripke)

Marteria (Foto: Paul Ripke)

Die amerikanische Kleinstadt Roswell ist ein sagenumwobener Ort: Der Legende nach soll dort im Sommer 1947 ein UFO abgestürzt sein – vertuscht von der amerikanischen Regierung. ‚Roswell‘ heißt nun auch das neue Album des Rostocker Rappers Marteria. „Ein gutes Album hat immer einen Aufhänger, ein Bild. Und das erste Bild, das ich bei dieser Platte im Kopf hatte, war das Ortseingangsschild von Rostock: Es ist Nacht, regnet ganz doll, so langsam blättert das Schild ab und Rostock wird zu Roswell“, erklärt der 34-Jährige. „Aus Area 51 wird Marteria 51, aus Roswell wird Rostock“, heißt es dann auch in dem Eröffnungsstück. „Das bedeutet im Grunde“, so Marteria weiter, „dass das UFO hier abgestürzt ist und ich ein Alien bin. Und der Alien ist ein Bild für den Außenseiter.“

Martria Roswell CoverMoment mal – Marteria ein Außenseiter? Spätestens seit seinem Album ‚Zum Glück in die Zukunft‘ kann Marten Laciny, der vor elf Jahren als maskiertes Fabelwesen Marsimoto auf der Bildfläche auftauchte, sich vor Erfolgen kaum retten. Mehrfach Platin, Radiohits wie „Lila Wolken“ und „Kids“, Kollaborationen von Campino bis Haftbefehl und überhaupt: Laciny ist der Mann, der deutschen HipHop wieder cool gemacht hat – und kein Außenseiter! Oder? „Ich hatte in meinem Leben schon immer eine Außenseiterrolle“, verrät er. „Das ging los mit der HipHop-Szene in Rostock. Wir waren die komischen Typen mit den weiten Hosen, von allen belächelt. Mit 17 Jahren bin ich dann alleine nach New York gegangen, wo ich natürlich auch der totale Außenseiter war. Der Song ‚Skyline mit zwei Türmen’ auf meinem neuen Album handelt davon. Und selbst heute bin ich noch Außenseiter. Ich reise sehr viel und bin eigentlich das halbe Jahr unterwegs. Da bin ich immer der Ausländer, der die Sprache lernen, sich integrieren und Leute kennenlernen muss. Das Gefühl, Außenseiter zu sein, kennt doch jeder Mensch. Und ich glaube, es macht einen mutiger und stärker. Sodass man auch mal politische Aussagen macht und für etwas steht.“

Das tut Marteria auf „Roswell“ zweifellos. „Wenn du nicht mehr weißt wohin, dann geh links“, heißt es in dem Stück „Links“. „Das ist kein Parteisong für die Linke, sondern es geht um eine Einstellung“, so Marteria. „Links, das bedeutet für mich Neugierde über die Angst zu stellen.“ Den Song „Elfenbein“ derweil hat er aus der Sicht eines Geflüchteten geschrieben. So politisch Marteria sich in jenen Songs gibt, so persönlich wird er in anderen: „Tauchstation“ handelt davon, dass er Alkohol, Drogen und dem Nachtleben abgeschworen hat, nachdem er vor zwei Jahren mit Nierenversagen im Krankenhaus gelandet war, und „Blue Marlin“ ist von seiner Angelleidenschaft inspiriert. Entstanden sind die Songs auf den Seychellen, Jamaika, Curaçao und in Uganda – was mehr nach Urlaub als nach Arbeit klingt, doch tatsächlich hat Marteria mit seinem inzwischen angestammten Produzententeam The Krauts akribisch daran gearbeitet, auch dieses Mal einen einzigartigen Sound zu schaffen. „Meine letzte Platte war sehr düster“, sagt er. „Diese Platte hat zwar düstere Momente, aber sie geht total nach vorne und ist tanzbar. Die Songs sind geil zum Abfeiern, aber sie haben trotzdem eine Botschaft.“ Überhaupt sei ihm das am wichtigsten. „Ich will was sagen! Das ist das einzige, was mich antreibt. Die Geschichte ist noch längst nicht zu Ende erzählt.“

 

Marteria – Roswell (Green Berlin/Four Music/Sony) 2LP+CD 88985431191 / 2LP+CD 88985386111 / CD 88985386102 / CD Digi 88985435442 // ab 26.05.2017 im Handel