Casper // Lang lebe der Tod

Casper (Foto: Christian Alsan)

Casper (Foto: Christian Alsan)

HIPHOP Es hätte nicht viel gefehlt und Casper hätte einfach das Handtuch geworfen. Eigentlich sollte sein viertes Album vor einem Jahr erscheinen, doch dann kamen dem Rapper Zweifel und er zog die Veröffentlichung zurück. „Ich war der Stararchitekt, der zwei riesige Wolkenkratzer hochgezogen hat, und auf einmal stand ich da und kriegte nicht mal ein Baumhaus konstruiert“, erinnert er sich.

Casper Lang lebe der Tod Cover„Mir fielen die Latten raus, ich hatte die falschen Schrauben dabei.“ Obendrauf hatte die Hysterie um seine Person zum Teil absurde Ausmaße angenommen. „Ich war einfach müde“, sagt er. „Zwischendurch hatte ich wirklich Phasen, in denen ich dachte ich ziehe nach Virginia und werde Tischler.“ Hat er dann aber doch nicht gemacht. Die wie er selbst sagt „dunkelste Phase“ seines Lebens überstand Casper, indem er seine Ängste und Zweifel vertonte. Weil er nach seiner autobiografischen Album-Trilogie neue Wege gehen wollte, geht es auf ‚Lang lebe der Tod‘ aber nicht bloß um sein Seelenleben, sondern auch um den Zustand der Welt. In „Morgellon“ wettert Casper gegen Wutbürger und Verschwörungstheoretiker, während es im Titelsong um unsere scheinbar grenzenlose Sensationslust geht. Musikalisch reicht die Platte von lauten Gitarren über tanzbaren Elektro-Rumms bis zum ruhigen Songwriterstück. „Unbequeme Musik für unbequeme Zeiten“ habe er machen wollen, so Casper – und schrieb ganz nebenbei ein Mammutwerk, das den Ist-Zustand im Land perfekt einfängt.

Casper – Lang lebe der Tod (Columbia/Sony) LP 88985324211 / Deluxe Ed (3CD) 88985340952 / CD 88985340942 // ab 01.09.2017 im Handel