The Killers // Wonderful Wonderful

The Killers (Foto: Anton Corbijn)

The Killers (Foto: Anton Corbijn)

ROCK Haben wir noch etwas zu sagen? Mit dieser Frage haderten The Killers während der Aufnahmen ihres fünften Albums ‚Wonderful Wonderful‘. Als Resultat entstanden zehn Songs, die nicht nur experimentierfreudiger, sondern auch persönlicher sind.

„Have All The Songs Been Written?“ – so lautete der Betreff einer Email, die The-Killers-Sänger Brandon Flowers eines Tages an Bono von U2 schickte. Flowers und seine Bandkollegen arbeiteten gerade an ihrem fünften Album, und irgendwie wollte es nicht so richtig vorangehen. „Früher dachte ich, wir seien unschlagbar. Mit zunehmendem Alter ist mir das abhanden gekommen“, erklärt Flowers. „Man sieht, was schon alles gemacht wurde, und fragt sich, was man selbst noch beizutragen hat. Also mailte ich Bono. The Killers Wonderful Wonderful CoverSeine Antwort war, dass das ein verdammt guter Titel sei und ich einen Song darüber schreiben solle.“ Genau das tat Flowers dann auch: „Have All The Songs Been Written“ ist eine für The Killers eher untypische Ballade mit viel Pathos und Gitarrensolo – und ein gutes Beispiel dafür, dass die amerikanische Band auf ‚Wonderful Wonderful‘ bewusst Neues wagte. Klar, da sind typische Killers-Epen wie „Run For Cover“, aber eben auch Songs wie der geradezu psychedelische Titeltrack oder die funky Single „The Man“.
„Das klingt immer so schäbig, wenn man das sagt, aber wir wollten eine reifere Platte machen“, erklärt Flowers. „Nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich. Es sollte auf dem Album um etwas gehen. Dadurch sind die Songs viel persönlicher.“ Flowers, der sonst wirklich immer sehr verschlossen war, thematisiert nun also ganz offen die Depressionen seiner Frau. Er, der Mormone der Band, zitiert in „The Calling“ aus der Bibel und bittet in „Some Kind Of Love“ seine Kinder zum Chor. „Der Song ist für meine Frau und umschreibt ein Gefühl, das sowohl von mir als auch von ihnen kommen kann“, sagt er. „Also habe ich gedacht, können sie ruhig mitsingen. Früher wollte ich meine Frau und meine Kinder schützen, aber bei diesem Album habe ich bewusst entschieden, mich zu öffnen.“

Eine persönliche Geschichte erzählt auch der Song „Tyson Vs Douglas“: Darin geht es um den legendären Boxkampf im Jahre 1990. Außenseiter James „Buster“ Douglas schlug damals den bis dato ungeschlagenen Schwergewichtsweltmeister Mike Tyson k.o. und sorgte damit für die größte Sensation der Boxgeschichte. „Las Vegas hat ja eine lange Box-Tradition. Jeden Dienstag schaute ich mit meinem Vater Boxen“, erinnert sich Flowers. „Tyson war der beste Boxer seit Mohammed Ali, er war ein unglaublicher Typ, unbesiegbar. Meine Weltsicht änderte sich, als er plötzlich zu Boden ging.“ Im dritten Vers nimmt der Song dann eine unerwartete Wendung: Flowers singt von seinem Sohn, der heute genauso alt ist, wie er 1990 war. „Für ihn bin ich so makellos wie Mike Tyson – und ich will nicht zu Boden gehen“, gesteht Flowers. „Ich denke, wir alle haben diese Momente des Zweifels, diese Ängste. Es tat gut, sich dem zu stellen und darüber nachzudenken.“ ,Wonderful Wonderful’ jedenfalls ist der Beweis, dass The Killers längst noch nicht alle Songs geschrieben haben.

The Killers – Wonderful Wonderful (Island/Universal) LP 5777171 / Deluxe Ed. (CD) 5791845 / CD 5777170 // ab 22.09.2017 im Handel