Peter Maffay // MTV Unplugged

Peter Maffay (Foto: Andreas Richter)

Peter Maffay (Foto: Andreas Richter)

DEUTSCH-ROCK Zu sagen, dass Peter Maffay erfreut sei über sein jüngstes Werk ‚MTV Unplugged‘, wäre eine kleine Untertreibung. „Für mich ist dieses neue Album ein Meilenstein“, sagt die Deutschrocklegende beim Gespräch im Berliner Soho House. „Aus meiner Sicht ist diese Geschichte, an der wir alle hart und wirklich leidenschaftlich gearbeitet haben, wunderbar aufgegangen.“ Peter Maffay MTV Unplugged CoverMaffay, 68, hat es sich in einem dunkelroten Plüschsessel des hauseigenen Kinos bequem gemacht, eben gerade hat er Ausschnitte aus jenem zweieinhalbstündigen Akustik-Konzert vorgespielt, das er im August im Steintor-Varieté in Halle an der Saale (der Heimatstadt seiner Freundin Hendrikje) gegeben hat, jetzt lächelt er zufrieden. „Das Album kommt meiner musikalischen Auffassung, die stark von Country und Rhythm & Blues geprägt ist, sehr nahe. Es gibt eine Reihe von Interpreten, die ähnlich gepolt ist. Bruce Springsteen zum Beispiel, dem ich über die Jahre mehrmals begegnet bin und zu dessen Musik ich eine gewisse Seelenverwandtschaft spüre, oder auch Tom Petty.“

Peter Maffay, mit 17 Nummer-eins-Platten ein Erfolgsgarant seit Jahrzehnten, ist kein Neuling im Stecker-raus-Geschäft, das merkt man der stimmigen und beseelten Aufzeichnung in jedem Moment an. „Du siehst bei uns, dass man auch mit akustischen Instrumenten richtig gut hinlangen und laut spielen kann. Nach dreieinhalb Jahren, die wir mit dem jüngsten ‚Tabaluga‘-Projekt verbracht hatten, war der Wunsch bei meiner Band und bei mir sehr groß, mal wieder etwas anderes zu machen und dem Märchenonkel eine Pause zu gönnen.“ Man sieht wirklich, wie Maffay strahlt, wenn er mit seinen Duettpartnerinnen und -partnern seine großen Hits aus vier Jahrzehnten anstimmt. Jennifer Weist von Jennifer Rostock ist mit dabei (und züchtig gekleidet wie wohl noch nie), Ilse DeLange von den Common Linnets, Katie Melua, zudem Johannes Oerding sowie Philipp Poisel, eine Empfehlung seiner Freundin. Als Mentor der jungen Kollegen sieht er sich jedoch nicht. „Viel wichtiger ist der gegenseitige Respekt. Wenn wir zusammen singen, zusammen Musik machen, dann sind wir alle Partner auf Augenhöhe.“

Das Leuchten in den Gesichtern, so Maffay, komme daher, „dass wir uns gegenseitig auf der Bühne angezündet haben. Wenn Katie Melua auf Deutsch singt, oder Philipp Poisel in seiner Zerbrechlichkeit, dann ist das musikalisch sehr eigenständig und spannend.“ Altersunterschiede – Perkussionist Ray Cooper ist 75, Jennifer Weist ist 31 – seien beim gemeinsamen Musizieren weder spürbar noch relevant. „Es geht nur darum, wie es künstlerisch und menschlich funktioniert.“ Man muss ja sowieso nur mal seine Hand schütteln, um zu spüren, welche Kraft und Energie in diesem kleinen Kerl stecken. Wie 68 wirkt der in Tutzing am Starnberger See residierende Rocker nun wirklich nicht. Maffay: „Natürlich merke ich mein Alter. Aber es schränkt mich noch nicht ein. Alter ist außerdem immer relativ. Entscheidend sind doch ganz andere Kriterien. Nämlich: Vitalität und Leidenschaft. Picasso etwa hat bis ins sehr hohe Alter noch gemalt. Ich lebe heute einigermaßen diszipliniert, rauche und trinke nicht mehr, mache Sport und versuche, gesund zu bleiben. Warum sollte ich nicht noch viele Jahre mit großer Lust Musik machen können?“

 

Peter Maffay – MTV Unplugged (RCA/Sony) 3LP 88985394881 / Ltd. Premium Box (2CD+2DVD) 88985463602 / Blu-ray 88985394909 / 2DVD 88985394899 / 2CD 88985463612 // ab 03.11.2017 im Handel