Sam Smith // The Thrill Of It All

Sam Smith (Foto: Universal Music)

Sam Smith (Foto: Universal Music)

‚The Thrill Of It All‘ präsentiert einen Sam Smith auf der Höhe seines Schaffens. Wieder sind die Lieder traurig und von einer unglücklichen Liebschaft inspiriert, aber keiner leidet und schmachtet so schön wie der 25-jährige Sam. Sein Mix aus Pop, Soul und Gospel bleibt emotional nachvollziehbar und geht auch diesmal wieder ins Ohr.

Sam Smith The Thrill Of It All CoverSOUL-POP Ab und zu, in „One Last Song“ ansatzweise und in „Baby You Make Me Crazy“ ganz besonders, nimmt er auch mal Fahrt auf, meist bewegt sich die Platte aber zielsicher auf balladeskem Gebiet. Leicht war es jedoch nicht mit seinem zweiten Album. „Ich habe den Druck und die Erwartungshaltung gegenüber der neuen Platte gespürt“, gibt Smith direkt zu, „ich dachte: ‚Packe ich das überhaupt noch mal?‘ Ich habe einige Monate gebraucht, um nach der letzten Tour und dem ganzen Trubel wieder zu mir zu kommen. Besonders wichtig in dieser Phase waren meine Eltern und meine Geschwister, wir sind richtig zusammengerückt.“

Es ging ja auch alles wahnsinnig schnell. Vom Nachwuchstalent, das in Bars sang und vergeblich von einem Plattenvertrag träumte, über Gastsängerengagements bei Disclosure („Latch“) und Naughty Boy („La La La“) zum heißesten Talent der britischen Musikszene, und das in wenigen Monaten. Als Anfang 2014 sein Debütalbum ‚In The Lonely Hour‘ erscheint, wird es sofort zum Erfolg, die Single „Stay With Me“, eine traurige Hymne auf die unerwiderte Liebe, mausert sich zum Welthit. Sam Smith gewann für seine Musik im Jahr darauf vier Grammys und zahllose weitere Auszeichnungen, darunter den Oscar für „The Writing’s On The Wall“, den Song zum James-Bond-Film „Spectre“. Und dann? „Verliebte ich mich wieder einmal.“ Sam steht auf Männer, das ist kein Geheimnis. Und er hat in der Liebe ein eher unglückliches Händchen. „Ich kann diesem Mann nichts Böses hinterherwerfen, aber er wollte nach ungefähr sechs Monaten halt nicht mehr mit mir zusammen sein. Diese Zeit war für mich nicht sehr gesund. Ich trank zu viel Alkohol und kam aus dem Partymachen kaum noch heraus.“

Andererseits: Der Liebeskummer gab ihm Inspiration für neue Songs. „Too Good At Goodbyes“, die Single, ist eine Art Chronik der Trennung. „Ich schrieb den Song wenige Wochen, bevor Schluss war. Ich wollte mich damit wappnen gegen das Ende, mir ein dickes Fell zulegen. Hat nicht geklappt.“ Besonders intensiv und traurig ist „Burning“ geraten, eine schonungslose Selbstabrechnung und „der persönlichste Song, den ich in meinem ganzen Leben bis jetzt geschrieben habe.“ Worum geht es? „Ich mochte mich zeitweise nicht mehr leiden und passte nicht mehr gut auf mich auf. Ich fing regelrecht an zu brennen, aber auf eine ungesunde Weise.“ Dicklich sei er auch noch geworden, zu viel Käse, aber es gelang ihm, zwanzig Kilo abzuspecken, indem „ich etwas weniger und dafür besseren Käse aß“. Ist ein suboptimales Liebesleben ein angemessener Preis dafür, großartige Songs zu schreiben? Die Frage stellt sich Sam Smith nicht. „Ich habe wohl keine andere Wahl. Diese Karten hat mir das Leben zugespielt.“ Den Glauben an „eine ewige Liebe so wie im Film“ habe er aber noch immer.

 

Sam Smith – The Thrill Of It All (Capitol/Universal) LP 57935210 / 2LP Special Edition 5785579 / CD Special Edition 5793507 / CD 5785578 // ab 03.11.2017 im Handel