Revolverheld // Zimmer mit Blick

Revolverheld (Foto: Benedikt Schnermann)

Revolverheld (Foto: Benedikt Schnermann)

DEUTSCH-ROCK/POP Der 26. November 2016 ist ein Tag, an den Revolverheld gern zurückdenken: Das Abschlusskonzert ihrer „MTV Unplugged in drei Akten“-Tour in der ausverkauften Hamburger Barclaycard Arena markierte zweifellos den bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere. Wie macht man danach weiter? Eigentlich hatten Revolverheld sich vorgenommen, erst mal ein Jahr lang gar nichts zu machen. Aber wie so oft im Leben kam es anders als geplant. Revolverheld Zimmer mit Blick Cover„Die Tour war im November zu Ende, dann war Weihnachten, und im Januar war ich schon wieder voller Tatendrang. Also haben Kris und ich angefangen, neue Songs zu schreiben“, erzählt Sänger Johannes Strate. Songwriting-Trips nach St. Peter-Ording und Amsterdam erwiesen sich schnell als ergiebig. „Unser letztes Studioalbum ist ja fünf Jahre her, und wir hatten gerade unsere größte Tour gespielt – wir waren voller Motivation und Inspiration“, so Gitarrist Kristoffer Hünecke. „Außerdem gibt es gerade einfach wahnsinnig viele Themen, die uns umtreiben.“

Ihrem fünften Album ‚Zimmer mit Blick‘ hört man das an. Zwar haben Revolverheld sich stets für Organisationen wie Laut gegen Nazis oder Viva con Agua engagiert, doch musikalisch standen sie eher für gefühlvolle Balladen. Auf ‚Zimmer mit Blick‘ allerdings schlagen sie nun auch politische und gesellschaftskritische Töne an, vertonen ihre Gedanken, Ängste und Sorgen. „Die Stille im Lärm“ zum Beispiel handelt von Entschleunigung, in „So wie jetzt“ kritisiert Strate, dass es seiner Generation zwar wahnsinnig gut ergangen ist, man aber trotzdem nie zufrieden ist. Und im Titelsong – eine einfühlsame Ballade, die mehr Haltung fordert – fragt Strate: „Wie soll ich diesen Quatsch erklären? / Was erzähl ich meinem Kind? / Dass überall auf dieser Erde einfach nur Verrückte sind?“ „Wir leben in wilden Zeiten. Die Weltpolitik ist nicht mehr schwarz und weiß, sondern alles ist grau. Man weiß nicht mehr, was falsch und richtig ist. Aber man kann sich nicht einfach zurücklehnen und sagen, das geht mich nichts an. Man muss eine Haltung haben und nicht immer bloß so handeln, dass es für einen selbst am besten ist“, so Strate. „Auch, wenn es in unseren Texten vorher nie so klar herauskam: Wir sind eine Band, der nichts egal ist. Wir haben zu den meisten Themen eine Meinung. Mein Papa war früher so viel demonstrieren – ich bin mit sechs auf der ersten Demo gegen Atomkraft mitgelaufen. Damals habe ich verstanden, dass nicht alles auf der Welt geil ist, dass viel schief läuft – und dass man dann was unternehmen muss.“ Zum Beispiel einen Song schreiben.

Doch nicht nur textlich, sondern auch musikalisch gehen Revolverheld mit den zwölf Songs neue Wege. Ziel war es, gemeinsam mit Produzent Philipp Steinke eine moderne Platte zu machen, Neues zu wagen und den eigenen Sound zu erweitern. Nicht zu viel nachzudenken, sondern einfach mal dem Impuls zu folgen. So kommt es, dass die erste Single „Immer noch fühlen“ richtig tanzbar geworden ist. „Wenn du so lange mit einer Unplugged-Scheibe unterwegs bist, wie wir es waren, hast du danach automatisch Lust, wieder lauter zu werden. Wir kommen schließlich aus dem Band-Kontext, unsere Wurzeln sind in Proberäumen und kleinen Clubs“, so Hünecke. „Wir wollten wieder E-Gitarre spielen!“

 

Revolverheld – Zimmer mit Blick (Columbia/Sony) 2LP+CD 190758606391 / Premium Edition (CD) 19075812572 / CD 19075806392 // ab 13.04.2018 im Handel