James Bay // Electric Light

James Bay (Foto: Sarah Piantadosi)

James Bay (Foto: Sarah Piantadosi)

SONGWRITER-POP Beim Interview im Berliner Soho House ist James Bay kaum wiederzuerkennen. Der Sänger überrascht mit einer Kurzhaarfrisur. Von seinem Hut, einst sein Markenzeichen, hat er sich getrennt. Auch musikalisch geht der Brite andere Wege. Seiner zweiten CD ,Electric Light’ verpasst er mit Beats einen frischen Anstrich. James Bay scheint sich komplett neu erfunden zu haben. James Bay Electric Light Cover„Ich hatte keine Lust mehr, weiterhin als feinfühliger Singer/Songwriter unterwegs zu sein“, entgegnet er. „Stillstand langweilt mich nämlich.“ Also entschied er, sich zu verändern – äußerlich und künstlerisch. Der 27-Jährige ließ sich seine langen Haare abschneiden, nachdem er mit seinem Freund Jon Green in den Baltic Studios in Ost-London die ersten ‚Electric Light‘-Stücke geschrieben hatte: „Ich wollte mich auf ganzer Linie weiterentwickeln.“
Dabei hatte er Unterstützung vom Produzenten Paul Epworth. Der schickt zunächst im Intro der Nummer „Stand Up“ Bays Gesang durch einen Stimmenverzerrer, um dann Gitarre, Klavier und Streicher zu einem epischen Sound zu verweben. „Fade Out“ wagt mutig den Schritt hin zu Soul und R’n’B. Die hochemotionale Ballade „Slide“ schlägt einen Bogen zum Debütalbum ,Chaos and The Calm’ (2015). „Pink Lemonade“ klingt, als würden The Strokes auf Blondie treffen. Kräftige Gitarrenriffs und Synthesizer pimpen „Wasted On Earth“. „In My Head“ oszilliert zwischen R’n’B und Gospel. „I Found You“ hat einen bluesigen Touch.
Warum Bay stilistisch gleich mehrere Schubladen öffnet? Weil er zeigen will, wie vielseitig Pop sein kann: „Ich hoffe, mit ,Electric Light’ werde ich in der Singer/Songwriter-Szene das erreichen, was Drake oder Chance The Rapper im Rap gelungen ist: gängige Regeln zu brechen.“ Auch mal gegen den Strom zu schwimmen, findet Bay wichtig. Er hat sich das vor allem bei seinem Idol David Bowie abgeguckt, der einst sagte: „Ich weiß nicht, was ich als nächstes machen werde, aber ich verspreche, dass es nicht langweilig sein wird.“ Diesen Leitsatz hat Bay seit Langem verinnerlicht: „Meiner Ansicht nach sollten das alle Künstler tun.“
Folgerichtig lässt sich der Musiker gern von seiner Intuition leiten. Für seine Songtexte hatte er im Vorfeld kein festes Konzept, doch im Nachhinein wurde ihm klar: „Die meisten beschäftigen sich mit dem Thema Einheit.“ Ein Paradebeispiel dafür ist natürlich die hypnotische Single „Us“. Da singt Bay im Refrain: „Ich glaube an etwas. Ich glaube an uns.“ Uns, grübelt er, könne entweder für zwei Personen oder für die Menschheit stehen: „Auf jeden Fall geht es um ein Gemeinschaftsgefühl.“ Das spielt besonders bei seinen Auftritten eine wesentliche Rolle: „Durch die Musik verschmelzen die Leute in meinen Konzerten wirklich zu einer Einheit. Fernab von den ganzen Dramen, mit denen wir täglich in den Nachrichten konfrontiert werden.“ Solche Momente sind natürlich auch für Bay unvergesslich. Überhaupt liebt er das Touren: „Meine Band und meine Crew sind für mich wie eine Familie. Ich könnte mit ihnen bis ans Ende der Welt gehen.“

 

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James Bay – Electric Light (Island/Universal) LP 6741363 / Ltd. Deluxe Ed. (CD) 6756441 / CD 6741361 // ab 18.05.2018 im Handel