Goldmeister // Alles Gold

Goldmeister (Foto: Christoph Köstlin)

Goldmeister (Foto: Christoph Köstlin)

SWING/HIPHOP Als Spitzname hat sich „Goldmeister“ bis dato weder für Phil Ohleyer (31) noch für Chris Dunker (36) etabliert, aber was nicht ist, kann ja noch werden. „Es gibt tatsächlich exakt einen Menschen, der mich Goldmeister nennt“, erzählt Phil, „und das ist mein Bruder.“ Als Name für ihr Duo habe Goldmeister nahegelegen: „Gold“ wegen der sogenannten Goldenen Zwanzigerjahre und „Meister“ als Begriff aus dem Hiphop, man denke nur an Grandmaster Flash. Und das ist auch der Kern dessen, was Goldmeister so einzigartig macht. Goldmeister Alles Gold CoverDie beiden Westfalen – Dunker stammt aus Dortmund, Ohleyer aus der Nähe von Wesel, beide leben seit Jahren in Hamburg – erfinden auf ihrem Debütalbum ‚Alles Gold‘ das Rad zwar nicht neu. Aber das Profil ihrer Musik hinterlässt einen Abdruck, den man so noch nicht gesehen hat. Goldmeister fusioniert den Jazz und Swing der Zwanziger mit deutschsprachigen Hits der Neunziger, überwiegend aus dem Hiphop-Bereich. Diese Melange servieren sie im Stile alter Dixieland-Jazz-Bands, mit Bläsern, Banjo, Klavier, wunderbar handgemacht und direkt in die Beine gehend. „Wir machen Musik, um die Leute zum Lachen und zum Tanzen zu bringen“, sagt Ohleyer. „Das schönste Kompliment, das wir bisher bekommen haben, war: ‚Ich kam total mies gelaunt zu eurem Konzert und gehe mit super Laune wieder nach Hause‘. Wir möchten, dass die Menschen bei unseren Liedern so ein bisschen die Sorgen des Alltags vergessen.“

Ohleyer, ehemals „International Business“-Student im niederländischen Maastricht, zeitweiliger Yachtversicherungsverkäufer und 2011 Absolvent der Hamburger Talent- und Kontaktschmiede „Popkurs“, lernte Dunker 2013 kennen. Musikalisch funkte man auf derselben Welle. Ohleyer, ein Mann mit charakteristisch tiefer Stimme, kam über seinen Vater, dessen Jazzsammlung und insbesondere Frank Sinatra zum Singen, vor zwei Jahren dann kam den beiden abends bei einigen Bierchen in der Kneipe die Idee zu Goldmeister. „Wir bringen Bewährtes mit Bewährtem zusammen“, so Phil. „Der Stakkato-Gesang der damaligen Zeit kommt dem heutigen Rap schon recht nahe. Also beschlossen wir, diese Songs auf handgemachte Art zum Swingen zu bringen.“ Zusätzlich veredelt wird ‚Alles Gold‘ von den Musikern der Ragtime Bandits und vom Pianisten Lutz Krajenski, dem ehemaligen Arrangeur und Produzenten von Roger Cicero.

Die erste Nummer, an die sich das Zwei-Mann-Ratpack gewagt hatte, ist zugleich die erste Single: „Sie ist weg“, im Original von den Fantastischen Vier und in der Version von Goldmeister ein großartig groovendes Stück Old-School-Rap-Swing-Jazz. Auch „Dickes B“ von Seeed, „Klar“ von Jan Delay, „Jein“ von Fettes Brot oder „Nicht von dieser Welt“ von Xavier Naidoo glänzen im Goldmeister-Gewand. „Als Kinder der Neunziger sind wir mit diesen Liedern groß geworden“, so Phil Ohleyer. Die einzige jüngere Nummer ist „Lila Wolken“ von Marteria. Und auch „Ihr Tattoo“, die einzige selbstkomponierte Nummer auf ‚Alles Gold‘, passt ins Bild. Es geht um eine Nachtlebenbekanntschaft, die sich die Namen ihrer Ex-Liebhaber eintätowiert hat, sechzig sind es an der Zahl. Ob die Geschichte sich so abgespielt hat? „Der Gentleman schweigt“, sagt Phil Ohleyer und lächelt.

 

Goldmeister – Alles Gold (Deutsche Grammophon/Universal) CD 4798751 // ab 22.06.2018 im Handel