Joe Bonamassa // Redemption

Joe Bonamassa (Foto: Marty Moffatt)

Joe Bonamassa (Foto: Marty Moffatt)

BLUESROCK Lange Zeit wohnte er in New York, doch die Mieten dort könnten sich nur noch Investmentbanker leisten, klagt Joe Bonamassa. Darauf zog er nach L. A., doch dann stiegen auch dort die Immobilienpreise. Inzwischen versammeln sich Musiker in Nashville. „Hier gibt es eine wundervolle Gemeinschaft“, lobt der Gitarrist und Sänger. Einige Mitglieder seiner Band leben schon lange Zeit in Nashville, etwa Keyboarder Reese Wynans (früher bei Stevie Ray Vaughan) und Bassist Michael Rhodes, einer der gefragtesten Tieftöner der „Music City“. Folglich nahm die Bonamassa-Band das aktuelle Album ‚Redemption‘ (zu deutsch: Erlösung) dort auf.

Für jedes Werk lässt sich Stammproduzent Kevin Shirley etwas Besonderes einfallen, um den vielleicht populärsten Bluesrocker der Gegenwart aus der Reserve zu locken. Joe Bonamassa Redemption Cover„Für Vorgänger ‚Blues Of Desperation‘ von 2016 ließ ich Joe mit zwei Trommlern rocken. Dieses Mal holte ich zwei weitere Gitarristen ins Studio“, erzählt Shirley. Bonamassa nahm die Herausforderung an. „Die beiden zusätzlichen Rhythmus-Gitarristen erlaubten mir eine besondere Spielweise. Meine Rolle war es, voran zu marschieren, während Doug Lancio für die Farben und Effekte zuständig war, und Kenny Greenberg Fleisch und Kartoffeln des Songs kochte.“

Der 41-jährige Bonamassa will kein Popstar sein. „Die neue Scheibe enthält nur originale Songs, die ich hier in Nashville mit lokalen Autoren geschrieben habe. Einen Hit zu verfassen, interessiert mich nicht!“ Eher schon interessiert Bonamassa ein unverwechselbarer Stil, der ihm eine langfristige Karriere ermöglicht. Seit 30 Jahren steht das frühere Gitarrenwunderkind als Profi-Musiker auf der Bühne. ‚Redemption‘ präsentiert eine Menge verschiedener Stile und Klangfarben, die allesamt Bonamassas Handschrift tragen. „Die Arrangements und Instrumentierung funktionieren auch live, sie sind perfekt für unsere Band mit ihren neun Mitgliedern, zu der auch Bläser und Back-up-Sängerinnen zählen“, freut er sich.

Zu den frischen Liedern zählen auch Nummern, für die der Ausnahmemusiker zur Akustischen greift. „In früheren Jahren hatten wir bereits ein paar Akustikshows gespielt, etwa im Wiener Opernhaus 2012. Normalerweise sehe ich mich allerdings als Electric Guitar Player. Vielleicht bin ich deshalb origineller, denn mein einziger Einfluss auf der akustischen Klampfe ist Stephen Stills.“ Und noch einen weiteren Vorteil haben seine stromlosen Lieder: Man hört, dass Joe Bonamassa auch als Sänger hinzugelernt hat. „Ich schreibe nicht bewusst akustische Musik, sondern ich greife zur Klampfe, wenn ich glaube, sie passt zum Lied.“ Sein aktuelles Studiowerk beweist: Die lange Zeit totgesagte Gitarre ist quicklebendig. „Das Instrument mag nicht mehr so populär sein wie früher“, meint Joe, „aber du kannst jemandem eine Gitarre und eine Schallplatte geben, und mit etwas Übung wird er seine Freude daran haben. Einem introvertierten Kind wie mir hat sie geholfen, meine Schüchternheit zu überwinden. Wenn ich mir meinen Anzug anziehe, zur Gitarre greife und auf die Bühne gehe, wechsele ich meine Persönlichkeit, ich werde ein anderer Typ.“

 

Joe Bonamassa – Redemption (Mascot/rough trade) 2LP (180g, Gatefold) inkl. MP3 PRD75591 / Deluxe Hardcover Digibook Ed. PRD75595 / CD PRD75592 // ab 21.09.2018 im Handel