Rammstein // Rammstein

Rammstein (Foto: Jes Larsen)

DEUTSCH-ROCK Sie fackelten wirklich lange mit ihrem siebten Studioalbum – und im Falle von Rammstein und ihren pyrotechnisch hochgerüsteten Liveshows ist die Metapher wörtlich zu nehmen. Immer mal wieder mussten sich alle Interessierten gar fragen, ob das denn überhaupt noch einmal was werde, ob die kreative Kraft dieser sechs Männer, die bis auf einen ja bereits länger als ein halbes Jahrhundert auf Erden wandeln, noch ausreichen würde für ein weiteres Album.

Die beruhigende Erkenntnis: Oh ja, das tut sie. Und das nicht zu knapp. 24 Jahre nach ihrem Debüt ‚Herzeleid‘ und zehn Jahre nach dem letzten Werk ‚Liebe ist für alle da‚ feuern Rammstein auf dem schnörkellos einfach ‚Rammstein‘ getauften Album aus wirklich allen verfügbaren Rohren. Man stelle sich das ja mal nicht so einfach vor, nach klassischen Härte-Hits wie „Mutter“, „Engel“, „Stripped“ oder „Mein Teil“, mit denen die sechs Wahl-Berliner um die ganze Welt gereist sind und Triumphzüge von der amerikanischen Westküste bis ins allertiefste Sibirien feierten, noch neue Songdiamanten zu schürfen. Aber Rammstein wissen elf Nummern lang zu begeistern, und ein Lied, das „Diamant“ heißt, das gibt es auch. Es ist das mit knapp zwei Minuten Laufzeit kürzeste, und es ist eine schlichte und schöne Liebesballade – ganz ohne erkennbaren bösen doppelten Boden.

Hitzige Diskussion um “Deutschland”-Video

Überhaupt haben Sänger und Texter Till Lindemann und seine fünf Kollegen zusammen mit Produzent Olsen Involtini sowie dem Mixer Rich Costey (Muse, Biffy Clyro) ein für ihre Verhältnisse eher bekömmliches Album eingespielt – mit Betonung auf „für ihre Verhältnisse“ wohlgemerkt. Denn selten wurde ein Kunstwerk hierzulande in den vergangenen Jahren so kontrovers und erregt diskutiert wie das Video zur vor einigen Wochen vorab veröffentlichten Single „Deutschland“. Im Trailer zum Clip sah man die Musiker als offenkundig kurz vor der Hinrichtung stehende KZ-Insassen, die Empörung war gigantisch, wieder schrieben und sprachen alle von Grenzüberschreitungen, Geschmacklosigkeiten und Tabubrüchen, aus Sicht der Aufmerksamkeits-Maximierung hätte es nicht besser laufen können. Im finalen Video galoppieren die Jungs dann durch gut 2000 Jahre deutsche Geschichte, Lindemann schreisingt „Deutschland! Meine Liebe kann ich dir nicht geben“. Also kein Skandal, sondern ein geschicktes Spiel mit der Teutonenhaftigkeit, mit der die (nach eigenem Bekunden eher linksorientierte) Band schließlich schon immer kokettierte.

Völlig unanstößig und praktisch poppig klingt wiederum die neue Single „Radio“, mit der die in der DDR aufgewachsenen Musiker ihre tiefe Liebe zum Westradio bekunden und vom Sound her ein bisschen an Kraftwerk erinnern. Überhaupt fällt auf, dass Rammstein trotz immer wieder einsetzender harter Gitarren wohl noch nie so melodisch, fast freundlich klangen wie jetzt. „Zeig dich“ ist Kirchenkritik zum Mitsingen, „Sex“ eine nur ganz leicht perverse Hymne auf selbigen, „Ausländer“ ein rhythmisches Quasi-Indie-Disco-Lied über Männer, die liebestoll vor fremdsprachigen Frauen stehen. So richtig finster und abgründig wird das Album nur einmal, nämlich in der musikalisch ruhigen, textlich abgründigen Horrorphantasie „Puppe“, in der Lindemann wirklich zum Fürchten gut ist.

 

Rammstein – Rammstein (Rammstein/Universal) 2LP 7749394 / Special Edition (CD) 7749398 / CD 7749397 // ab 17.05.2019 im Handel

 

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