Sarah Connor // Herz Kraft Werke

Sarah Connor (Foto: Nina Kuhn)

DEUTSCH-POP Ein Ausflugslokal am Berliner Schlachtensee: Niemand macht viel Aufhebens darum, dass die Sängerin Sarah Connor an einem Tisch sitzt. Dabei ist die 39-Jährige eine der erfolgreichsten Musikerinnen Deutschlands. Allein ihr jüngstes Album ,Muttersprache’ (2015) verkaufte sich mehr als eine Million Mal. Vielleicht weil sich die Mutter von vier Kindern erstmals an deutsche Texte herantraute.

Dieser Schritt ebnete den Weg für ihr neues Album ,Herz Kraft Werke’. Wieder singt Sarah Connor auf Deutsch, wieder hat sie einige Lieder mit den früheren Rosenstolz-Hitschreibern Peter Plate und Ulf Sommer verfasst. Zum Beispiel die Single „Vincent“, die vom Coming-out eines Teenagers handelt und auf einer wahren Geschichte beruht. Der Sohn einer Freundin hatte seiner Mutter erzählt, er sei schwul. Sarah Connor fand es sehr mutig von ihm, so offen zu seinen Gefühlen zu stehen. „In einer Stadt wie Berlin ist es sicher kein Problem, schwul oder lesbisch zu sein“, grübelt sie. „Aber in einem kleinen Ort sieht das leider oft immer noch anders aus …“

Sarah Connor weiß, wovon sie spricht. Die gebürtige Hamburgerin zog mit neun nach Delmenhorst. Ihr Lied „Kleinstadtsymphonie“ beweist, wie sehr sie das Leben in der niedersächsischen Provinz geprägt hat. „Egal, wie weit ich flieh“, singt sie. „Kleinstadtsymphonie. Ich komm nicht weg von dir.“ In einer Zeit, in der sich die meisten Leute in den sozialen Medien möglichst cool zu präsentieren versuchen, ist das ein erstaunliches Bekenntnis. Sarah Connor lacht: „Ich glaube nicht, dass ich jemals ein richtiger Großstadtmensch werde.“ Darum wohnt sie in Berlin am Stadtrand. Obwohl ihr Viertel einen beinahe dörflichen Charakter hat, vermisst sie manchmal ihre alte Heimat: „Mir fehlt die norddeutsche Weite. Die Ruhe für Augen und Ohren.“ Besonders liegt ihr das Meer am Herzen: „Ich würde unheimlich gern mal wieder mit meinen Kindern ins Watt gehen. Doch ist es so weit weg von hier.“

„Ich wollte große Melodien komponieren“

Sarah Connor ist und bleibt eben ein Nordlicht. Ihre frühe Kindheit in Hamburg-Altona hat sie nie vergessen: „Ich erinnere mich noch genau an die roten Ziegelhäuser in der Bernadottestraße, wo wir gewohnt haben.“ Abends fuhr sie oft mit ihrem Vater zum Hafen. Für die beiden war er das Tor zur Welt, von der sie inzwischen einiges gesehen hat. Ihr neues Album hat sie in Nashville eingespielt, die Streicherarrangements steuerte die britische Cellistin Rosie Danvers in London bei. Über dem teils recht opulenten Sound thront Sarah Connors kraftvoller Gesang: „Ich wollte große Melodien komponieren, in denen meine Stimme sich austoben kann, und gleichzeitig Geschichten erzählen, die mich bewegt haben.“ In dem Stück „Ruiniert“ übt sie Sozialkritik und fragt: „Was hat uns so ruiniert, das Hirn so glatt poliert, dass uns nichts mehr berührt?“ Für sie persönlich zeichnet nicht zuletzt die weit verbreitete Fixierung aufs Internet dafür verantwortlich: „Alle starren nur noch auf ihre Smartphones. Wir werden blind für das, was um uns herum passiert.“

 

Sarah Connor – Herz Kraft Werke (Polydor/Universal) Ltd. Fanbox (4CD) 7739726 / Del. Ed. (2CD) 7739725 / CD 7739724 // ab 31.05.2019 im Handel