Ed Sheeran // No.6 Collaborations Project

Ed Sheeran (Foto: Mark Surridge)

Ed Sheeran (Foto: Mark Surridge)

POP Man kann Ed Sheeran nur beglückwünschen: Nicht nur, dass der 28-Jährige auf dem Hockenheimring zwei Mal 100.000 Leute bespaßte, was selbst für ihn ein Rekord war. Nicht nur, dass er in Danny Boyles neuem Film „Yesterday“ souverän sich selbst spielt. Endgültig auf den Olymp der Popkultur hievt ihn sein Deal mit der weltweit bekanntesten Ketchup-Firma und die Sonderedition zum 150-jährigen Firmenjubiläum: EdChup. (Und ja, das heißt wirklich so.) Nur fair, denn vor längerem schon hat sich Sheeran das Logo der Firma auf den Arm tätowieren lassen.

Ed Sheeran No_6 Collaborations Project CoverDoch auch im Kerngeschäft gibt sich der Brite keine Blöße und bringt zweieinhalb Jahre nach dem unfassbar erfolgreichen ‚Divide‘-Album eine, wie er selbst es nennt, „Zusammenstellung“ heraus, die den Hörer aufgrund der neuen Songs, die oft so gar nicht nach dem üblichen Ed Sheeran klingen, überrascht bis verzückt mit den Ohren schlackern lassen. Für den Briten selbst ist die Sache vollkommen einleuchtend. „Genres haben für mich nicht die geringste Bedeutung“, sagt er, angesprochen auf den wilden und lebensfreudigen Stilmix auf besagtem neuen Album, dessen Titel ‚No. 6 Collaborations Project‘ um einiges sperriger ist als es die Songs selbst sind. „Was bei mir und in meiner Musik zählt, das ist das Herz. Ich mag ein Lied, sobald es mich etwas fühlen lässt. Dabei spielt keine Rolle, ob ich wegen des Songs fröhlich draufkomme oder ob ich anfange zu weinen. Hauptsache, er löst eine emotionale Reaktion in mir aus.“ Der freundlich-ehrgeizige Charismatiker Sheeran, nach wie vor und womöglich mehr denn je der erfolgreichste Popmusiker der Welt, sagt, er habe schließlich immer schon einen sehr unterschiedlichen und nicht zu etikettierenden Musikgeschmack gehabt. „Ich wuchs mit Folk und Rock’n’Roll auf, dann entdeckte und vergötterte ich Rap und Hip-Hop, anschließend verliebte ich mich in akustische Musik.“ Und alle diese Stile, man ahnt es bereits, tummeln sich auf ‚No. 6 Collaborations Project‘. Der Clou: Für jedes einzelne Stück dieses unter anderem von Max Martin perfekt produzierte, dem Pop klar näher als dem Folk stehende, Man-kann-es-Zwischenalbum-nennen Longplayers holte sich Sheeran Unterstützung, vorwiegend gesanglicher Art. Das luftige Sommerlied „I Don’t Care“, längst ein fetter Hit, singt er zusammen mit Justin Bieber, „Blow“ mit Bruno Mars und Chris Stapleton, die Normalo-Feelgood-Hymne „Beautiful People“ gemeinsam mit Khalid. Insbesondere an urbaner Musik, inklusive Hip-Hop, hält sich Sheeran schadlos. Auf „Remember The Name“ rappen die einstigen Erzfeinde Eminem und 50 Cent fröhlich miteinander, auch Travis Scott, Cardi B, Young Thug oder Stormzy haben ihre Auftritte, dazu angesagte Popfrauen wie Camila Cabello und Ella Mai. „Ich war das ganze vergangene Jahr auf Tour und habe diese Platte Stückchen für Stückchen aufgenommen“, erklärt Sheeran sein erstes neues Kollaborationsprojekt seit seinem großen Durchbruch 2011, zuvor nahm er jährlich eine Mixtape-ähnliche Platte auf. Kein Zweifel, dass für die beteiligten Künstler der finanzielle Anreiz höher war als für den längst steinreichen Sheeran selbst. Dieser jedenfalls teilt mit, dass es für ihn lange nichts Schöneres und Spaßigeres gegeben habe, als ein Album machen zu dürfen mit lauter Musikern von denen er ein Riesenfan sei.

 

Ed Sheeran – No. 6 Collaborations Project (Warner) 2LP 9029542789 / CD 9029542788 // ab 12.07.2019 im Handel