Peter Maffay // Jetzt

Peter Maffay (Foto: Andreas Ortner)

Peter Maffay (Foto: Andreas Ortner)

ROCK Die vergangenen Monate liefen gut für Peter Maffay: Er wurde Vater, und er nahm sein Album ,Jetzt!’ auf, das an seinem 70. Geburtstag erschienen ist. Es lässt nicht den geringsten Zweifel an seiner Passion für Rockmusik. Dazu philosophiert der gebürtige Rumäne, der in Tutzing wohnt, über Gott und die Welt.

Dass dieser Mann eigentlich Rentner sein könnte, ist beim Interview in den Hamburger Chefrock Studios schwer zu glauben. Sein durchtrainierter Körper, seine enge Jeans und sein T-Shirt sind Zeugen einer Coolness, die kein Alter kennt. Dennoch heißt eines seiner Lieder, das Klassiker von „Sonne in der Nacht“ bis „Über sieben Brücken“ zitiert, „Für immer jung“. Wäre das sein Traum? „Zumindest anatomisch ist das eine Illusion, mental nicht unbedingt“, sagt der Musiker. „Im Kopf kann man durchaus jung bleiben.“ Das hat Johannes Oerding, von dem der Text stammt, in diesem Stück ebenso auf den Punkt gebracht wie die Verbindung zwischen Peter Maffay und seinen Fans. „Einige sind so alt wie ich, sie standen der Band und mir von Anfang an zur Seite“, erzählt er. „Unsere Songs, unsere Konzerte – das hat uns mit unseren Fans zusammengeschweißt.“

Egal ob er live spielt oder an seinen Stücken arbeitet: Peter Maffay verlangt sich immer 100 Prozent ab. Auch seine kreativen Mitstreiter fordert er ungeheuer: „Wir wollen jede Möglichkeit ausschöpfen.“ Beim Musikmachen gilt für ihn: „Man muss den inneren Schweinehund überwinden und alles geben – selbst wenn man müde ist oder keine Lust mehr hat.“ Nur so geht er aus dem Studio raus, ohne mit sich zu hadern.
Trotzdem ist er kein rundherum zufriedener Mensch. In dem Titel „Morgen“ beklagt er die Lethargie der Leute, die nicht genug gegen die Missstände dieser Welt tun: „Wir verspielen einfach Zeitfenster für Lösungen. Um den Klimawandel zu bremsen, brauchen wir einen globalen Konsens.“ Nicht bloß das findet er besorgniserregend. Einige Dinge wiederholen sich permanent – sei es Rechtsradikalismus, Linksradikalismus, die atomare Bedrohung. Ob China, Russland, Nordkorea oder Pakistan: Viele Länder besitzen Atombomben. „Seit wir 1982 den Song ‚Eiszeit‘ veröffentlicht haben, hat sich kaum etwas verändert“, bringt es Peter Maffay auf den Punkt. „Es besteht bis heute die Möglichkeit, dass wir alle sterben, weil jemand den falschen Knopf drückt.“

Solche Gedanken kleidet er in satte Gitarrenriffs. Die meisten Titel verschreiben sich ganz dem Rock, mit „Wenn du wiederkommst“ gibt es allerdings auch eine melancholische Pianoballade. Bei „Größer als wir“ wird das Tempo ebenfalls gedrosselt. Wenn Peter Maffay über Gott nachdenkt, packt er die akustische Gitarre aus. Das energetische „Jetzt!“ verkündet: „Die Zeichen stehen auf jetzt. Was ist und war, das gilt nicht.“ Wer das hört, mag kaum glauben, dass Peter Maffay einst mit seinem ersten Nummer-eins-Hit „Du“ in der „Hitparade“ aufgetreten ist. Er verflucht diese Phase jedoch nicht: „Meine Schlagerzeit betrachte ich als meine Wanderjahre. Ohne ‚Du‘ wäre ich wohl Chemigraf statt Musiker.“

 

Peter Maffay – Jetzt! (Red Rooster/Sony) 2LP 19075925151 / Fanbox (4 CD/DVD) 19075940742 / CD 19075940752 // ab 30.08.2019 im Handel