Tool // Fear Inoculum

ROCK Amsterdam, ein heißer Tag Ende Juni. Tool hat in den zehnten Stock eines futuristischen Gebäudes direkt am Wasser geladen, um den Medien bei Bier und Schnittchen das damals noch ultrageheime neue Album vorzuspielen. Die 13 Jahre seit ‚10.000 Days‘ sind fraglos eine lange Zeit, aber man erkennt Tool noch wieder auf ‚Fear Inoculum‘.

Man kann sogar sagen: Noch nie klang Tool so sehr nach Tool wie jetzt. „Wir sind noch dieselbe Band“, sagt Sänger Maynard James Keenan (55), „nur 13 Jahre später.“ ‚Fear Inoculum‘, das fünfte Album der Math-Metalrock-Band mit Sitz Los Angeles, wirkt in seiner Fülle bisweilen fast erschlagend, doch darf man getrost davon ausgehen, dass hier jeder Ton an exakt dem Plätzchen sitzt, an dem er siitzen soll. Der rote Faden des Albums: Das Alter. „Wir sind alle über 50“, so Keenan, der mit Frau und Tochter auf einer Farm in Arizona lebt. „Diese Platte kommt von dort, wo wir heute sind. Wir verklären nicht die Vergangenheit, wir stellen uns der Gegenwart.“ Stilistisch fangen die vier alles ein: Es fehlt weder an Härte („Legion Inoculant“), noch an der typischen düsteren Wucht („7empest“), auch nicht an nahöstlich inspirierter Verspieltheit („Culling Voices“), an hypnotisch dichter Melodik („Pneuma“) sowie an hinreißend verstörendem Krach („Chocolate Chip Trip“). ‚Fear Inoculum‘ ist eine abgründige und mitreißende Reise in die Welt dieser Musiker, die zusammen vollkommen singuläre, niemals leicht konsumierbare Musik kreieren.

 

Tool – Fear Inoculum (RCA/Sony) Deluxe Edition 19075950552 // ab 30.08.2019 im Handel