Wilco // Ode To Joy

AVANTGARDE-ROCK Jeff Tweedy erinnert uns an das, was wirklich wichtig ist: Niemals die Freude am Leben zu verlieren – selbst, wenn die Regierungen in Washington, London oder Berlin noch so viel Blödsinn machen. Das Mittel zum Zweck: gute Musik. Nicht mehr, nicht weniger.

In den vergangenen drei Jahren hat Jeff Tweedy, das Mastermind von Wilco, zwei Soloalben veröffentlicht und seine Autobiografie geschrieben. Jetzt kehrt er zurück zur Band und stellt sich dem Unvermeidlichen: dem Zeitgeist. „Hier läuft so viel schief, dass man es nicht ausblenden kann – auch, wenn man sich noch so darum bemüht. Man muss sich der Gegenwart stellen.“ Das tut das Sextett aus Chicago auf seinem elften Studio-Epos: Die Songs erinnern eindringlich daran, weiter an die Liebe zu glauben, nie die Hoffnungen zu verlieren und sich nicht von blindem Hass, panischer Angst sowie falschem Nationalismus anstecken zu lassen. „Wir müssen uns auf den gesunden Menschenverstand verlassen“, so der 52-Jährige. Deswegen ist der Albumtitel ‚Ode To Joy‘, in Anlehnung an Schillers Gedicht von 1785, geradezu programmatisch. Selbst wenn die meisten Songs weder euphorisch noch hymnisch oder eingängig klingen. Sie erweisen sich vielmehr als spröde, minimalistische und experimentelle Grenzgänge zwischen Country, Folk und Blues. So ganz ohne konventionelle Songstrukturen und ohne Rock-Elemente – extrem mutig.

 

Wilco – Ode To Joy (Rykodisc/Warner) LP 5149711454 / CD 5149711453 // ab 04.10.2019 im Handel