Jonas Kaufmann // Wien

Jonas Kaufmann Studio session

KLASSIK/OPER An der Wiener Operette und an den Wiener Liedern kommt man als Tenor nun mal nicht vorbei. Jonas Kaufmann ist das Repertoire von Kind auf vertraut, und er liebt es von Herzen.

Eigentlich ist er ja gebürtiger Münchner, in den Ferien aber besuchte der heranwachsende Junge auch allzu gern die Großeltern in Tirol und sah, wie er sich heute noch voller Begeisterung erinnert, Unterhaltungssendungen im österreichischen Fernsehen. Da sang Peter Alexander, da liefen Walzer und Operetten, da ätzte der unvergessene Georg Kreisler in seinen bissig-satirischen Liedern. Tatsächlich war viele Jahre später Kaufmanns erstes Engagement an einer Bühne die komische Operette „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß. Das war in der Saison 1993/94 am Theater Regensburg, als Kaufmann noch mitten im Studium war.
Nachdem er auf ‚Du bist die Welt für mich‘ (2014) der Stadt Berlin und auf ‚Dolce Vita‘ (2016) dem sonnigen Italien musikalische Besuche abgestattet hatte, wurde es nun Zeit für eine Wiener Hommage. Natürlich dürfen dabei Ausschnitte aus „Eine Nacht in Venedig“ als Erinnerung an seine Debütrolle Caramello zu Beginn seiner steilen Karriere nicht fehlen. Bei der Wahl des begleitenden Orchesters griff Kaufmann selbstverständlich gleich zum besten Orchester Wiens, den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Ádám Fischer. Als Partnerin kam selbstverständlich keine andere infrage als Rachel Willis Sørensen, die ihn ja schon in der großartigen konzertanten „Fledermaus“ beim letzten Silvesterkonzert in Dresden begleitet hatte.
Man hört, wie Kaufmann in den Melodien von Strauß-Operetten aufgeht, die zwar leicht klingen sollen, aber sowohl für die Instrumentalisten als auch für die Sänger höchste Anforderungen stellen. Viele Titel darunter sind übrigens Ersteinspielungen von Jonas Kaufmann. Weil die Wiener Operette aber ja nun mal nicht nur aus Beiträgen der Strauß-Familie besteht, sind auch Titel von Franz Lehár, Emmerich Kálmán und Robert Stolz dabei. Zum Beispiel „Lippen schweigen“ aus der „Lustigen Witwe“ oder „Zwei Märchenaugen“ aus der viel weniger bekannten Operette „Die Zirkusprinzessin“ von Emmerich Kálmán. Von Peter Kreuder nahm Kaufmann „Sag beim Abschied leise Servus“ und von Hermann Leopold „In einem kleinen Café in Hernals“ auf. Hörbar Spaß macht ihm das bitterböse „Der Tod, das muss ein Wiener sein“ von Georg Kreisler, dem zum Ausgleich dann Rudolf Sieczynskis Liebeserklärung „Wien, du Stadt meiner Träume“ an die Seite gestellt wird.
„Schon immer war das für mich Gute-Laune-Musik“, sagt Jonas Kaufmann, „wenn ich als Student ungeliebte Aufgaben wie Putzen und Staubsaugen vor mir hatte, dann musste ich nur ‚Die Fledermaus‘ mit Carlos Kleiber auflegen, und die hat mir sofort ein Grinsen ins Gesicht gezaubert.“

 

Jonas Kaufmann – Wien (Sony Classical/Sony) 2LP (ab 22.11.2019) 19075950401 / Deluxe Ed. (CD) 19075950412 / CD 19075950402 // ab 11.10.2019 im Handel