Neil Young & Crazy Horse // Colorado

ROCK Neil Percival Young hat etwas von einem musikalischen Perpetuum mobile – er macht schlichtweg immer weiter. ‚Colorado‘ ist das 39. Studioalbum seiner langen, bewegten Karriere. Wie es klingt? Wie gehabt – und das ist gut so.

Kurz vor seinem 74. Geburtstag hat „the old white guy” (Young über Young) noch einmal seine alten Buddys von Crazy Horse zusammengetrommelt – oder was davon übrig ist. Denn Frank „Poncho“ Sampredo weilt längst in Rente und wurde bei den Sessions in den Rocky Mountains von Colorado von keinem Geringeren als Nils Lofgren ersetzt. Für musikalische Filigranität sorgt das allerdings nicht wirklich: Die zehn Songs geben sich so rau und ungeschliffen, wie man es von Neil erwartet, kennt und liebt: Röhrende Soli und wüstes Geschrammel treffen auf polternde Drums, ein leicht verstimmtes Klavier, Glockenspiel und knarzige Harmonika. Alles mit dem Charme unproduzierter Demos – frei improvisiert, mit knochentrockenem Sound und ausufernden Längen von bis zu 13 Minuten („She Showed Me Love“). Dazu ein Gesang, der mal weinerlich, mal entrückt anmutet. Und Texte, in denen es um verfehlte Klimapolitik, Trumps Unzulänglichkeiten, das Wunder der Liebe und die Schönheit der Natur geht. Eben Amerika, das große, weite Land, das es zu hegen und pflegen gilt. Ein Hippie-Manifest, das mehr Gewicht auf die Aussage als auf die Produktion legt. Typisch Neil.

 

Neil Young & Crazy Horse – Colorado (Reprise/Warner) LP 9362489891 / CD 9362489890 // ab 25.10.2019 im Handel