Cecilia Bartoli // Farinelli

KLASSIK/OPER Für ihren Charme und ihren Witz sowie ihre unübertroffene Bühnenpräsenz ist die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli ebenso berühmt wie für ihre einzigartigen Interpretationen. Nun schlüpfte die Italienerin in Männerkleidung des 18. Jahrhunderts: Auf ihrem neuen Album ‚Farinelli‘ geht es um den italienischen Kastratensänger Carlo Broschi, besser bekannt als Farinelli, einen der bekanntesten Opernsänger des 18. Jahrhunderts.

Farinelli soll einen Stimmumfang von mehr als dreieinhalb Oktaven gehabt haben und besonders die weiblichen Opernbesucher zu fast schon hysterischen Beifallsstürmen animiert haben. Aber nicht nur das: Seine Stimmqualitäten und seine enorme Musikalität animierten die bekanntesten Komponisten seiner Zeit, für ihn zu schreiben. Viele der hier eingespielten Arien wurden speziell für Farinelli komponiert.

Cecilia Bartoli schlüpft nun in die Rolle des Farinelli und singt ein fein zusammengestelltes Repertoire von Barockopern, zu denen auch seltener zu hörende Arien zählen. Das Album enthält auch Stücke von Farinellis älterem Bruder Riccardo Broschi und seinem einstigen Lehrer und Förderer Nicola Porpora. Oft schon hat Cecilia Bartoli die Arie „Alto Giove“ aus Porporas Oper „Poliferno“ in Live-Konzerten gesungen. Hier nun gibt es eine neue Einspielung dieser gefürchteten Arie, in der die Mezzosopranistin besonders ausgedehnte Phrasen und extrem hohe Töne zu bewältigen hat.

Begleitet wird der Weltstar vom Ensemble „Il Giardino Armonico“ unter der Leitung von Giovanni Antonini. Das für seine energisch konturierten Interpretationen von Barockrepertoire weltbekannte Ensemble hatte mit Bartoli bereits bei einem Vivaldi-Album zusammengearbeitet, das prompt einen Grammy gewann. Beim Album ‚Sacrificium‘ im Jahr 2009, dem ersten Album Cecilia Bartolis mit speziell für Kastraten geschriebener Literatur, das ebenfalls einen Grammy für die beste Gesangsleistung gewann, stand auch „Il Giardino Armonico“ an ihrer Seite.

Neben den Porpora-Arien sind die Arien „Morte Col Fiero Aspetto“ aus Johann Adolf Hasses Oper „Marc’ Antonio e Cleopatra“ und „Mancare O Dio Mi Sento“ aus „Adriano In Siria“ von Geminiano Giacomelli zu hören. Natürlich durfte Bartolis großer Komponisten-Favorit Antonio Caldara nicht fehlen und ist mit „Questi Al Cor Finora Ignoti“ aus „La Morte d’Abel“ vertreten.

Die Verkleidung der großen Mezzosopranistin mit Bart und Gehrock der Zeit ist zwar ein dekoratives Moment dieser Neuerscheinung. Bartoli sieht das Artwork aber keineswegs als Selbstzweck, sondern möchte damit auch anstoßen, dass „das Phänomen der Kastraten aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wird, ohne den schrecklichen historischen Kontext zu vernachlässigen.“ Ab dem 23. November unternimmt Bartoli eine Europatournee und stellt die Farinelli-Arien mit ihrem Barockensemble Les Musicians du Prince-Monaco in aller Welt vor.

 

Cecilia Bartoli – Farinelli (Decca/Universal) LP 002894850215 / CD 4850214 // ab 08.11.2019 im Handel