Zucchero // D.O.C.

ROCK Was der Titel bedeuten soll, ‚D.O.C.‘? Zucchero, ein gemütlicher, latent zum Feixen aufgelegter Bär von einem Mann, grinst und sagt: „Denominazione di origine controllata“, also „aus kontrolliertem Anbau“. Alles bio bei dem Mann, der vor 64 Jahren in der Emilia Romagna geboren wurde und heute auf einem stattlichen Anwesen in der Toskana residiert.

„Der Titel fiel mir einfach ein und blieb hängen. Er passt zu mir und meiner Musik. Ich bin kein Mensch für Schnickschnack und Schickimicki. Ich bin ein erdverbundener Typ, halt naturbelassen, und so klingt auch meine Musik.“ Zucchero, bürgerlicher Name Adelmo Fornaciari, macht schon seit Ewigkeiten Platten, die erste 1983, und während er mit seinem Mix aus Rock, Blues, Soul und einem Funken Pop in Italien längst ein ganz Großer war, gelang ihm auch bei uns mit dem eher schnulzigen „Senza Una Donna“ (im Duett mit Paul Young) 1991 ein riesiger Erfolg. Nah an der Schnulze klingt auf ‚D.O.C.‘ erbaulicherweise gar nichts, auf „Nella Tempesta“ weihnachtet es leicht, ansonsten zieht Zucchero auf diesem Nachfolgewerk zu ‚Black Cat‘ (2016) alle Register des knackigen Blues-Rock. Voller Energie und seltenem Keyboard-Einsatz klingt „Soul Mama“ wie ein Lied, das im Radio laufen sollte, „La Canzone che sa ne va“ ist eine gefühlsberstende Powerballade, in die Zucchero all seine waidwunde Männlichkeit legt, und „Freedom“ ist euphorisch und funky. „Mir war wichtig, kein Vintage-Werk aufzunehmen. Ich habe rein gar nichts gegen zeitgemäße Sounds“, so Zucchero, der sich für das neue Album unter anderem der tasteninstrumentalen Dienste von Nicolas Rebscher (Alice Merton) bediente. Neben „Freedom“ gibt es auch „My Freedom“ auf ,D.O.C.‘ – kein Zufall. „Freiheit ist ein zentrales Leitmotiv meines gesamten Lebens und auch meines Schaffens“, sagt er. Dass Fornaciari einst im Kreml und vor einigen Jahren, noch vor den Stones, im kubanischen Havanna auftrat, ist für ihn, der einst Fidel Castro bewunderte und bis heute ehrfurchtsvoll über Che Guevara spricht, kein Widerspruch. „Ich bin kein Kommunist, und es kann sein, dass ich manche meiner alten Helden früher etwas zu sehr heroisiert habe. Aber die wahre Unfreiheit kommt nicht von links, sie kommt von rechts. Wir müssen weiter wachsam sein.“

 

Zucchero – D.O.C. (Universal) 2LP 0832140 / CD 0829163 // ab 08.11.2019 im Handel