Max Raabe & Palast Orchester // MTV Unplugged

SWING-POP Wir verabreden uns am Ort des Geschehens: in „Clärchens Ballhaus“ in Berlin-Mitte. Dort hat Max Raabe mit seinem Palast Orchester und einigen Gästen von der Musikerin Lea bis zum Schauspieler Lars Eidinger im Spiegelsaal sein ,MTV Unplugged’-Album aufgenommen.

Nun sitzt der Sänger in einem Hinterzimmer, wie üblich tadellos gekleidet mit einem Sakko zur Bügelfaltenhose, Pomade im Haar. Kaum jemand im Musikgeschäft verkörpert den Gentleman mit exzellenten Manieren so perfekt wie er. Deswegen konnte er es zunächst gar nicht fassen, dass ausgerechnet er ein ,Unplugged Album’ einspielen sollte: „Ich bin eigentlich nicht cool genug für MTV.“ Zudem tritt sein Palast Orchester für gewöhnlich sowieso ohne Verstärker auf. Was also könnte er aus diesem Projekt ziehen? Diese Frage beschäftigte ihn eine Weile, schließlich kam er zu dem Ergebnis: Er könnte ein paar Künstler einladen, mit denen man ihn normalerweise nicht unbedingt in Verbindung bringen würde.

Zum Beispiel den Rapper Samy Deluxe. Mit ihm hat der 56-Jährige dem Titel „Der perfekte Moment … wird heut verpennt“ einen frischen Anstrich verpasst. Da trifft der typische Raabe-Gesang auf lässige Rap-Passagen, zwei Wortakrobaten begegnen sich auf Augenhöhe. „Samy Deluxe ist ein unglaublich sympathischer, offener Mensch“, schwärmt Max Raabe. „Seine Stücke haben wirklich politische Aussagen.“ Nicht nur deswegen bewundert der Wahl-Berliner seinen Hamburger Kollegen: „Verglichen mit einem normalen Lied braucht man für einen Rap-Song ungefähr das Achtfache an Text. Wenn dabei kluge Zeilen herauskommen, in denen ein gewisser Humor liegt, finde ich das großartig.“

Heißt das, Max Raabe könnte sich durchaus vorstellen, selber zu rappen? Nein: „Ich weiß, was ich kann. Rappen gehört definitiv nicht dazu.“ Dennoch befand die Sängerin Namika, „Küssen kann man nicht alleine“ sei beinahe Rap. Max Raabe relativiert die Aussage seiner Duettpartnerin ein wenig: „Ich bewege mich auf einer Vorstufe des Raps. In meinem Repertoire nennt man das Sprechgesang.“ Auf jeden Fall wirkt diese Nummer moderner als der Klassiker „Just a Gigolo“, den sich Max Raabe ausgerechnet mit dem finnischen Rocker Lordi vorgenommen hat: „Der Kontrast war herrlich extrem. Während das Orchester dramatische Musik spielte, kam Lordi grimmig hoch drei auf die Bühne.“

Dieses Spektakel war ein krasser Gegensatz zu Herbert Grönemeyers Auftritt. Er ging „Du weißt nichts von Liebe“ wunderbar gefühlsbetont an. „Es bewegte uns alle, welche Kraft Herbert Grönemeyer in dieses Lied legte“, erzählt Max Raabe. „Ich habe viele Leute gesehen, die feuchte Augen hatten – mich eingeschlossen.“ Wenig später riss Achim Hagemann alias Pawel Popolski die Stimmung aber schon wieder hoch. Er verwandelte „Kein Schwein ruft mich an“ in eine schmissige Polka. Und überraschte das Orchester mit Hochprozentigem. Denn die kreisende Flasche enthielt nicht das abgesprochene Wasser, sondern Wodka. Konnten danach noch alle einwandfrei weiterspielen? „Na klar, wir sind ja Profis.“

 

Max Raabe & Palast Orchester – MTV Unplugged (We Love Music/Universal) 2LP 4837347 / 4 CD/DVD 4837350 / 2CD 4837343 // ab 22.11.2019 im Handel